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Ratet, von wem ich komme, Don Pavolo! – Von der Gevattrin?
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Falsch! – Von der Schneiderin? – Falsch! – Dann von der Messe gewiß!
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Nein, Ihr wollt's nicht raten! – Bei San Francesco, Luisa,
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Gern; wer aber errät Mädchengedanken und -tun? –
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Bei Mariuccia war ich. – Bei der! – Nun tut mir der Herr doch,
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Gar, als wäre das nichts. – Wenig, Luisa, für mich. –
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Habt nur Geduld; gleich kommt es an Euch. Ich macht' ein Geschäft mir
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Heut am Morgen und tat Seidengespinst in den Korb,
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Daß sie ein Band mir webe; sie hat im Haus die Geräte.
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Und ich fand sie, allein Mutter und Schwester mit ihr,
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Richtet' es aus und hoffte von Euch ein Wörtchen zu plaudern,
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Aber die anderen zwei horchten; ich hütete mich.
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Und so war ein Stündchen vertan. Da ging ich, und mit mir
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Ging Mariuccia. Wie gern hätte sie nun mich befragt!
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Also stehen wir unter der Tür. Ich sage: Commare,
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Sag' ich, besuchst du mich nie? – Aber sie schüttelt den Kopf.
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Nein, denn ich darf nicht, sagt sie; du weißt, nicht liebt es die Mutter,
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Weil ihr ein Wirtshaus habt. – Närrchen, es stehet ja leer;
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Noch ist keiner gekommen zum Seebad. – Aber es wohnt doch
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Einer bei euch. – Nun der, sag' ich, – wie findest du den? –
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Ei, nicht übel. – Verstelle dich nur, Spitzbübin! du hast ihn
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Gern, und du weißt, er dich! sag' ich. Da lacht sie und schweigt.
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Aber auf einmal faßt sie mich um und küßt mich, ich denke
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Gleich, sie erstickt mich, und dann läuft sie wie Wetter davon.
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Und ich ruf' es ihr nach:
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Tu's Luisa! und weg, ins Zimmer hinein. Die Arme!
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Denk' ich, sie hätt' es allein freilich am liebsten bestellt.
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Aber so stehet es jetzt, Herr, und da hab' ich den Kuß.
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Seht, Don Pavolo, dies tut die Luisa für Euch:
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Anderen tät' sie's nimmer; doch Ihr, Ihr wisset, was Scherz ist,
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Und dies alles, es sind Possen. Nun aber im Ernst:
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Geb' ich den Kuß nicht wieder für Euch? Und hättet Ihr keinen
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Mir zu bestellen? Es wär' jetzo in einem getan. –
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Liebe Luisa, ich tat ein Gelübd, nie Küsse zu geben;