Heut nach Sant' Agostino verirrt' ich mich, wo sie dem wunden-

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Paul Heyse: Heut nach Sant' Agostino verirrt' ich mich, wo sie dem wunden- Titel entspricht 1. Vers(1872)

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Heut nach Sant' Agostino verirrt' ich mich, wo sie dem wunden-
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Tät'gen Madonnenbild küssen den marmornen Fuß.
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Und da ließ mich das Glück der Wunder eines erleben,
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Wie sie an Fleisch und Blut wirkt der vergötterte Stein.
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Wenige Fraun und Mädchen – es läutete grade zur Vesper –
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Knieeten dort im Gebet, züchtig die Augen gesenkt,
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Tücher ums Haupt, darunter die silberne Nadel hervorsah
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Oder der blinkende Reif an dem gebogenen Kamm.
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Nur ein finsterer Bursch stand fern am Pfeiler. Er schien nicht
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Betens halber und nicht gläubigen Herzens genaht.
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Fest hinstarrten die Augen auf eins der knieenden Mägdlein,
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Und es glüht' ihm das Herz bis zu den Wangen hinauf.
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Doch sie achtet' es nicht, sie ließ nicht unter dem Schleier
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Nach dem Pfeiler zu ihm wandern verstohlenen Blick.
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Freilich, der Bursch war dürftig und unansehnlich; sie selber
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Trug in dem Schönheitskampf sicher die Palme davon.
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Nun vom Knieen erhob sich eins ums andere. Sittsam
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Trat zu der Jungfrau Bild jedes der Mädchen heran,
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Heftete Lippen und Stirn und wieder die Lippen in Andacht
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Gegen den Marmorfuß, kreuzte sich, knickst' und verschwand.
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Immer noch starrte der Bursch. Da kam die Schönste gegangen,
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Knickst' und küßte den Stein. Jetzt in gewaltiger Hast,
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Gleich als lief' er Gefahr, sein ewiges Heil zu versäumen,
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Wild wie ein reißender Wolf zwischen die Schafe sich stürzt,
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Drängt' er die Weiber zurück und küßte die nämliche Stelle,
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Und des Kicherns umher achtet' der Feurige nicht.
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Denn er sah nur die Eine, die purpurglühend ihn anstaunt',
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Und, o Wunder! er schien plötzlich verwandelt, der Wuchs
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Höher und stolzer der Blick. Du aber schautest mit Lächeln
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Auf dein liebliches Werk, Mutter der Gnaden, herab!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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