Rückkehr zur Natur

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Paul Heyse: Rückkehr zur Natur (1852)

1
Als hätt' uns lang ein Zwist geschieden,
2
Der nun geschlichtet wunderbar,
3
So trat ich ein in deinen Frieden
4
Und ward im Tiefsten still und klar.
5
Ich sah das Meer sich leuchtend dehnen,
6
In Frühlingswonnen stand die Flur,
7
Da warf ich wieder mich in Tränen
8
An deine Mutterbrust, Natur.

9
Ich kannte dich, und doch im stillen
10
Trotzt' ich der Liebe, die mich zwang,
11
Die um den spröden Eigenwillen
12
So zarte Fesseln freundlich schlang.
13
Am Geiste sucht' ich mein Genügen,
14
Und zahme Schwäche schien mir's nur,
15
Mich unter deine Zucht zu fügen
16
Und still zu wandeln deine Spur.

17
Du schwiegst, und fort und fort in Treuen
18
Geselltest du dich nah zu mir,
19
Den nicht'gen Unmut zu zerstreuen,
20
Und riefst so sanft: Ich bin bei dir!
21
Du sahst mich an aus Himmelsreine,
22
Aus Wald und Blumen mütterlich –
23
Umsonst! Nicht war ich mehr der Deine,
24
Und so verscherzt' ich dich und mich.

25
Empfinden sollt' ich's. Wie die Schwüle
26
Des engen Tagwerks mich umfing,
27
Wie mir im hastigen Gewühle
28
Der gleiche Mut verloren ging –
29
Der Leib verfiel dem langen Kranken,
30
Die Seele zittert' in der Pein,
31
Da zogen sehnliche Gedanken
32
An deine Heilkraft in mich ein.

33
Und nun! – O, magst du schon dem Knaben
34
Die noch verhüllte Seele weihn,
35
Den Mann aus hundert Quellen laben,
36
Dem Greisen eine Freistatt sein:
37
Nur wer genest, fühlt ganz tief innen
38
Die Fülle deiner Liebeskraft,
39
Und rein und reizbar noch an Sinnen,
40
Umfängt er dich mit Leidenschaft.

41
So nimm mich wieder, hehres Leben,
42
In deinem Schoße birg den Sohn!
43
Du lächelst mir, du hast vergeben
44
Und segnest den Verirrten schon.
45
Du übertönst mit Vogelstimmen
46
Die Beichte, die dein Ohr vernahm,
47
Und in des Morgens Glühn und Glimmen
48
Begräbst du dieses Rot der Scham.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.