In dunkler Nacht

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Paul Heyse: In dunkler Nacht (1872)

1
In dunkler Nacht zuweilen fahr' ich jäh empor
2
Aus tiefem Schlaf, und auf den leisen Atemzug
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Der Liebsten horchend, lieg' ich eine Weile still
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Und starre bangend in die leere Finsternis,
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Wo hinterm Schirme dämmernd nur ein Lichtschein glimmt.
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Kein Laut des Lebens dringt herauf vom Garten her,
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Das Herz nur pocht mir in der Brust. Und stiller noch
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Und stummer wird's, als sänke rings in Todesschlaf
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Die weite Welt. Und plötzlich ist's, als stände still
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Der sanfte Atem neben mir – mit Knistern lischt
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Das Flämmchen aus, und lähmend überschauert mich
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Ein eisig Grauen.
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Ew'ge Mächte, käm' es je,
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Daß dieses Lebens Flamme, dran das meine sich
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Belebt und wärmt, des besten Weibes Liebeshauch
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Verlodert' und verweht' im rauhen Todessturm
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Und ich – o Gott! – in ungeheurer Einsamkeit
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Zurückgeblieben – wie – wie sollt' ich das bestehn
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Und nicht ihr nach hintaumeln in die ew'ge Nacht!
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Ist nicht, was Holdes je auf meinem Pfad geblüht,
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Nur an der Sonne dieses Auges aufgesproßt,
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Und wenn sie auslischt, fänd' ich meine Straße noch
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In winterlicher Wüste? Ew'ge Machte, nein,
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Nur das, nur das nicht! Tut mir euer Ärgstes an,
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Laßt mich erblinden, laßt an Kraft und Lebensmut
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Mich ganz verarmen, keiner Freude mächtig mehr –
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Nur das, nur das nicht! Schon bei dem Gedanken tritt
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Der kalte Schweiß mir auf die Stirn, im Busen klopft
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Das Herz, wie ihn zu sprengen, mir am Gaumen klebt
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Fiebernd die Zunge – auf vom Lager heb' ich mich,
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Ein Licht zu zünden – da an meiner Seite tönt
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Die liebe Stimme: Schläfst du nicht? Ist dir nicht wohl
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Gib deine Hand mir – so! Nun wird's vorübergehn.
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Du hast zu lang geschrieben.
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Und die zarte Hand
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In meine legend, schlummert sie von neuem ein.
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Mir aber ist, als wär' an meinem Haupt vorbei
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Ein Blitz gestreift, und gnädig hätte noch einmal
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Das Schicksal sich erbarmt des armen Sterblichen.
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Und sieh, schon kündet tröstlich sich das Frührot an.
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Vom Garten leise klingt herauf ein Vogelruf
42
Und von dem nahen Turme der Basilika
43
Das Glöcklein, das zur Messe ruft.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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