In such a night

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Paul Heyse: In such a night (1872)

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In der Veranda. Durch den Garten weht
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Die Sommernacht. Der Vollmond glänzt im Blau,
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Daß jeder Busch und Baum versilbert steht.

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Mit leisem Rieseln sprüht herab der Tau,
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Die Nachtviolen duften. Träumend ruht,
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Das Haupt zur Brust geneigt, die holde Frau.

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Sie späht, wie der Johanniskäfer Brut
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Im Grase funkelt, das Gesicht, das blasse,
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Sanft überflogen von der roten Glut

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Des Lämpchens auf den Tisch. Drauß' auf der Gasse
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Verhallt der Lärm. Ihr gegenüber sitzt
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Ihr Mann, versonnen heut im Übermaße,

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Die Stirn nachdenklich in die Hand gestützt.
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Die Zeitung, die er las, liegt auf den Knieen,
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Der Funke, der an der Zigarre blitzt',

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Erlosch. Als lausch' er fernen Melodieen,
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Hat er den Blick zu Boden still gesenkt,
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Und wie aus magischer Laterne ziehen

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Bilder an ihm vorbei. Da endlich fängt
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Sie an: Was ist's, das dich so schweigsam macht?
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Ich möchte wissen, was mein Liebster denkt.

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Und er: Ja, Kind, woran ich jetzt gedacht –
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Lang, lang ist's her. Im Frühling war's und eben
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So mondhell wie in dieser Sommernacht.

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Du hattst an jenem Abend dich fürs Leben
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Mir angelobt und, da ich von euch ging,
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Zur Treppe noch mir das Geleit gegeben,

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Wo scheidend ich noch einmal dich umfing.
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Dann, wie im Rausch, schwankt' ich hinab die Stiege,
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Den Kopf zurückgewandt. Mein Auge hing

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Entzückt an deinem Antlitz, dessen Züge
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Der Kerze Schein mir zeigte wie verklärt,
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Ganz so wie jetzt. Und in mir war's, als früge

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Mich mein Gewissen: bist du's denn auch wert,
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Daß dies holdsel'ge Wesen dir zu eigen
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Sich geben will, dir, dem das Herz beschwert

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So manch Erinnern? Wenn die Schatten steigen
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Aus ihrer Gruft, wird sie's nicht traurig machen?
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Da sah ich grüßend dein Gesicht sich neigen,

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Die Augen strahlend mir entgegenlachen
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Und hört' ein letztes süßes Liebeswort
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An deinem jungen roten Mund erwachen,

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Ein letztes »gute Nacht!« – Dann stürmt ich fort,
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Ein heiliges Gelübd' in mir, auf Händen
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Zu tragen das geliebte Leben dort.

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Und jetzt – auf einmal war es mir, als fänden
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Wir uns beisammen wie in jener Nacht,
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Und konnte nicht von dir das Auge wenden.

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Doch während Zeit und Schicksal ihre Macht
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An deinem Reiz verloren, mußt' ich zagen:
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Was damals ich gelobt, hab' ich's vollbracht? –

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Und sanft errötend sprach sie: Kannst du fragen
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Und überschätzest wie ein Bräutigam
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Mich heut noch, wie in unsern jungen Tagen?

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Ja, manchmal dünkt mich's selber wundersam,
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Daß ich noch nicht gebeugt durchs Leben schreite,
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Da so viel schweres Leid uns überkam.

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Hätt' ich's gekonnt, wenn du an meiner Seite
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Mit einem Hauch nur das Gelübde brachst?
60
Komm, laß dich küssen, noch viel wärmer heute,

61
Da du so töricht-liebe Worte sprachst!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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