Der verlorne Sohn

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Paul Heyse: Der verlorne Sohn (1872)

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Schon elf – und er noch immer nicht zu Haus! –
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– Ei nun, gewiß auf Liebesabenteuer,
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Wie er gewohnt ist, ging der Schlingel aus.

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Doch sorge nicht; sein jugendliches Feuer
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Hält ihn wohl warm, und dafür will ich stehn,
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All deiner Ängste lacht das Ungeheuer.

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Wir aber sollten endlich schlafen gehn. –
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– Wie? schlafen? Nein, kein Auge könnt' ich schließen,
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Bevor ich sicher ihn zu Haus gesehn.

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Doch daß er mich so ängstigt, soll er büßen.
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Er treibt's zu toll! Dies Streunen auf den Gassen
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Wird er sich endlich abgewöhnen müssen.

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Nur – vor verschloßnem Haus ihn stehn zu lassen
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In eis'ger Nacht, wär' allzu grausam, mehr
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Als er verdient. Drum will ich auf ihn passen.

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Geh du zu Bett! –
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– Nun bei den Göttern, wer
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Verdächte mir's, wenn ich, dein teurer Gatte,
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Auf diesen Hausfreund eifersüchtig wär'?

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Auf meine Tugend zwar fiel nie ein Schatte,
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Drum bist du ruhig stets zu Bett gegangen,
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Auch wenn ich nachts mich mal verspätet hatte. –

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– Ja, aber schlief ich dann? Horcht' ich mit Bangen
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Nicht stets hinaus, unruhig und beklommen,
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Bis dann die wohlbekannten Schritte klangen?

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Du hattst ja auch den Schlüssel mitgenommen,
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Indessen er – doch still! Täuscht mich mein Ohr?
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– Ich höre nichts. – Doch, doch! Ich hör' ihn kommen.

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Er rüttelt, hörst du nicht? am Gartentor,
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Und jetzt, o sieh, versucht er gar zu schellen
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Und springt und reckt zur Klingel sich empor.

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Sein schlecht Gewissen hält ihn ab zu bellen.
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Nein, armer Sünder, wer bereut, dem wird
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Gnade vor Recht zuteil. In solchen Fällen,

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Wo unerfahrne Jugend sich verirrt,
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Muß man mit Liebe sie zu bessern streben.
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Ich lass' ihn ein. – – O sieh nur, wie verwirrt

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Er näherschleicht und meine Knie mit Beben
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Umpfotet und reumütig mir am Rock
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Emporstrebt. Nun, so muß ich wohl vergeben,

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Und hungrig wirst du auch sein, armer Flock!
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Dein Futter steht noch da. – Was lachst du so?
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Nein, wenn ich ihn erzöge mit dem Stock,

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Verhärtet wurde sein Gemüt und roh. –
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– Gewiß! Sei nur wie alle Pädagogen
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Inkonsequent. Des aber bin ich froh,

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Daß du die

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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