Kommt an mein Herz, kommt nah heran, ihr Lieben!

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Paul Heyse: Kommt an mein Herz, kommt nah heran, ihr Lieben! Titel entspricht 1. Vers(1872)

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Kommt an mein Herz, kommt nah heran, ihr Lieben!
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Im Jammer, welch ein Raub an mir geschehn,
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Vergaß ich, welch ein Reichtum mir geblieben.
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Laßt nur des Sturmes erste Wut verwehn,
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Dann blickt des Himmels ausgeweinte Bläue
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Gelassen durch, drin tausend Sterne stehn;
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Und man gedenkt der Lebenspflicht aufs neue,
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In Grüfte nicht die Seele zu vergraben,
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In frevlem Unmaß sehnsuchtsvoller Treue.
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Sollt' ich der Pflicht zu lang vergessen haben,
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Vergebt mir's! Dieser Schlag war allzu herbe.
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Zu herzlich hing mein Herz an diesem Knaben.
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Nun sei die Menschheit meines Lieblings Erbe,
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Auf daß der Schatz, den ich für ihn gespart,
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An Liebeskraft nicht herrenlos verderbe.
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Sie meinen, wer sich keiner Himmelfahrt,
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Nicht froher Urständ' will getrösten lassen,
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Dem müsse trostlos sein die Gegenwart.
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Dies bange Erdenzwielicht müss' er hassen,
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Das nicht ein Strahl der Hoffnung je verkläre,
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Und in Verzweiflung werd' er einst erblassen.
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Kommt! Machen wir dem eignen Credo Ehre!
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Aufrechten Haupts, nicht trotzig, nicht verzagt,
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Liebt, was da lieblich ist, ertragt das Schwere.
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O schämt euch nicht, daß ihr in Schmerzen klagt!
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Es ächzt der Baum, wenn Ungewitter toben,
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Und krümmt den Wipfel, der so hoch geragt.
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Dann wieder still von Sonnenglanz umwoben
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Trinkt er den Äther, reift der Ernte zu,
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Bis ihn die Axt zerspellt zu Scheit und Kloben.
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So, Kind der Erde, füge dich auch du
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Und neide nicht hoffärt'gen Himmelspächtern
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Und Säulenheil'gen ihre dumpfe Ruh.
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Wag es, gleich all den atmenden Geschlechtern,
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Dein Herz zu hängen an dies kurze Sein,
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Die Welt zu lieben trotz den Weltverächtern.
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Der Augenblick und dein Gemüt sind dein,
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Du Sterblicher; du sollst sie zum Gefäße
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Des edelsten, des ew'gen Inhalts weihn.
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Was jedem, der zu eigen es besäße,
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Das Leben tröstlich macht, das schaff in dir
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Und teil es mit, wo jemand sein vergäße.
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So hast du Ewigkeit und Himmel
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So wirkst du in dir aus die echte Milde,
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Die rein von Kälte bleibt, wie von Begier.
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Es müssen sich erfreun an deinem Bilde,
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Die dürft'ger sind, als du, und alle Schwachen
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Beschirmst du treu mit deinem goldnen Schilde.
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Laß dann die Stolzen deiner Armut lachen,
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Die ihren Schatz im Jenseits angelegt;
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Du bist doch reich, um viele reich zu machen.
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Du hast ein Herz, das frei und innig schlägt,
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Hast deine Sinne, voll dich zu erquicken,
54
Ein Flügelpaar, das dich zum Lichte trägt,
55
Und Mut, dem Tod ins Angesicht zu blicken.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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