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Zu bitter wär' ich? Doch wer hat's verschuldet,
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Wenn meine Zunge trieft von Bitterkeiten?
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Ein feiger Knecht, wer ohne Murren duldet!
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Ward nicht, was Süßes ich genoß vorzeiten,
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Mir über Nacht vergiftet und vergällt,
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Entwertet meine liebsten Kostbarkeiten,
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Da, die ich über jeden Schatz gestellt,
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Die goldne Freiheit, nun als schlimmste Bürde
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Mir unerträglich auf die Seele fällt?
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Es wog mir kein Gewinn, noch Ehr' und Würde
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Den Adel auf: mir selber zu gehören,
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Nicht eingeschränkt in eines Dienstes Hürde;
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Nicht mit banausischem Geschäft zu stören
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Die stille Bildkraft, all die Schmerzenslust,
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In ernstem Ringen Geister zu beschwören.
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Wie war ich mir so streng und froh bewußt,
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Daß meines Wirkens Maß und meiner Pflichten
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Mir einzig ruht' im Grund der eignen Brust!
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Und nun – wie möcht' ich gern auf mich verzichten
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Und, fremdem Willen dienstbar untertan,
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Ein dumpfes Werk gedankenlos verrichten!
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Den Bauer neid' ich, der in grader Bahn
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Die Furche zieht, den Kärrner, der im Staube
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Des Heerwegs seinen Rossen geht voran.
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Und jener dort in niedrer Reisiglaube,
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Der Steine klopft, gebückt am heißen Wege,
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Nicht ödem Müßiggang ist er zum Raube.
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Sein Tagwerk fördert jeder seiner Schläge,
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Und, wacker bis zum Feierabend, letzt
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Ihn seine Flasche, wird der Arm ihm träge.
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Und ich – dem selbst der Quell der Musen jetzt,
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Der Himmelstrank, wie schaler Spülicht mundet,
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Wo ist ein Werk, ein Ziel, das mich ergötzt?
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Denn die Gestalt, die sich dem Dichter rundet,
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Soll er beleben mit dem eignen Blut.
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Wie? wenn er selbst nun ward zu Tod verwundet,
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Daß Lebensüberfluß und -übermut
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Versiegen und die Liebe geht verloren,
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So hab' ich selbst mich wider mich verschworen.
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Mir selbst gehör' ich? Keinen schlimmern Herrn
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Und keinen ärmern hätt' ich je erkoren.
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Sein schnödes Joch abschütteln möcht' ich gern,
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Der mich mißhandelt, der mich darben läßt,
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Und kann nur knirschend an der Kette zerrn.
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So wird der Freiheit jammervoller Rest
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Mir noch zum Fluch. Wenn unser Wille schwankt,
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Gleich einem Vogel, dem zerstört das Nest,
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Dann strebt das Ich, das an sich selber krankt,
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Sich loszuwerden, von des Sehnens Not
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Zu ruhn in einem Ziel, das nimmer wankt, –
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Und was ist hier gewiß, als nur der Tod?