2.

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Paul Heyse: 2. (1872)

1
Ich fühlt' in meinen hellsten Lebenstagen
2
Den Mut, auf diese Sonne zu verzichten
3
Und der Vernichtung Schauer zu ertragen.
4
Im Jetzt und Hier lernt' ich mich einzurichten,
5
Und selbst die Neugier nach dem letzten Wort
6
Des bunten Rätsels lockte mich mit nichten.
7
Wohl riß die Brandung manchen vor mir fort,
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Der, während ich noch trieb auf hoher See,
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Still Anker warf im ew'gen Ruheport.
10
Nach Sturm und Not und namenlosem Weh,
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Oft an ein letztes morsches Brett gebunden
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Und fühlend, daß auch das in Trümmer geh',
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Wie sahn sie gern der Irrfahrt sich entbunden,
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Die wenig Freude bot und viele Last;
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Wie gönnt' ich's ihnen, daß sie »Land« gefunden!
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Sie hofften nichts mehr, als zu ruhn, und fast
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Mit Ingrimm hörten sie die Tröster sagen,
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Man wecke sie dereinst nach kurzer Rast.
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Doch du, mein Knabe, dem noch offen lagen
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Die Meer' und Länder, Mut die Segel schwellt',
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Ein Inselland der Sel'gen zu erjagen,
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Wie ward dein leichter Nachen früh zerschellt,
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Und was die Sonne dir an Blüten gab,
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Verschlungen von der dunklen Wasserwelt!
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Und sollte nicht an deinem jungen Grab
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Das alte Märchen sehnlich mich beschleichen:
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Einst dring' ein Weckruf in die Nacht hinab,
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Ein Hahnenschrei aus ew'gen Lebensreichen,
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Den Tag verkündend, dem die Macht verliehn,
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Des Erdentages Unbill auszugleichen?
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Dann dürft' ich wieder an mein Herz dich ziehn,
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Den frischen Mund dir, den geliebten, küssen.
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(nun dünkt mich's, ach, zu selten küßt' ich ihn!)
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Die hier entblättert sank zu meinen Füßen,
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Die Knospe säh' ich dort sich rein entfalten,
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Mit Duft mein neues Leben zu versüßen! –
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Hinweg den Schleier, den ich fern gehalten
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Vom
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Auch jetzt nicht trocknen mit den weichen Falten.
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Kein Einst und Drüben, nur ein Jetzt und Hier.
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Erbetteln will ich nicht vom Selbstbetrug
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Den feigen Trost. Das eine wissen wir:
43
Auch wir vergehn; und das ist Trost genug.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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