Phaëthon

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Klabund: Phaëthon (1909)

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Phaëthon,
2
Der Mundschenk der Götter,
3
Mischte den Göttern
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Schlaf in den Wein.
5
Sie tranken,
6
Sie sanken
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In Traum und in Schlaf.

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An seinen Sonnenwagen gelehnt
9
Schlief Helios.
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Die Zügel schleiften
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Auf Wolken.

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Da trat der Knabe Phaëthon herzu,
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Sprang auf das Brett,
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Ergriff die Geissel
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Und liess sie über die Rosse sausen,
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Die goldenen.

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Sie wieherten jauchzend
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Unter der jungen Hand
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Und jagten durch den Äther,
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Verliessen die alteingefahrne Bahn.
21
Die goldenen Locken des Knaben,
22
Die goldenen Mähnen der Rosse
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Stoben im Sternensturm.

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Als er am Abend lenkte
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Das goldne Gefährt
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In den himmlischen Stall,
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Da waren die Götter erwacht.

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Helios jammerte,
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Zeus grollte.

30
Schneeweiss war des Göttervaters Haar geworden,
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Schnee lag auf dem Götterberg.
32
Denn allzuweit hatte der Knabe sich von ihm entfernt
33
Mit dem Sonnenwagen.

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Zu nah war er der Erde gekommen,
35
Denn tausend Steppen standen in Flammen
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Und Wälder bluteten rot.

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Das grosse Feuer kam
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Wie einst das grosse Wasser war gekommen.
39
Die Lava rollte schwarz.
40
Die heilige Zeder
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Brannte.

42
Aus den verkohlten Wurzeln stiegen
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Gewürm und Engerling ans Licht.

44
Und Kypris, die die Nacht wie stets
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Auf Erden zugebracht,
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Riss ihren Knaben
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Eros
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Hinter sich auf das geflügelte Pferd.
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Das galoppierte über den wandernden Insekten
50
Auf den Leibern der Dämonen
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Und hob sich wie ein Adler dann
52
Und galoppierte auf den Wolken –
53
Und kam zum Götterberg.

54
Eiszapfen hingen von dem Ritt durch die Äonen
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Dem Pferde in den Mähnen.
56
Kypris mondblondes Haar war weiss beschneit,
57
Und Eros
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Schlug die erstarrten Finger aneinander
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Wie Glockenklöppel.

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Ich friere, sagte Helios.
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Was tatest du,
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Vorwitziger Knabe,
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Phaëthon?
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Die Götter frieren,
65
Und der Menschen viele sind verbrannt
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Wie Kälber am Spiess.

67
Zeus weint zum erstenmal seit Ewigkeiten,
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Und Kypris floh die Erde.

69
Der Knabe aber
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Schnalzte mit der Zunge
71
Und zog die Stirne kraus –
72
Und lächelte
73
Und schwieg.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Klabund
(18901928)

* 04.11.1890 in Krosno Odrzańskie, † 14.08.1928 in Davos

männlich, geb. Henschke

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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