Jochen Himmelreich

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Klabund: Jochen Himmelreich (1909)

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Mein Name ist Jochen Himmelreich,
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Ich hörte den Zapfenstreich
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In Tsingtau und Windhuk, in Warschau und Lille.
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Kaum sah ich die Sonne über Flandern,

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Musst ich nach Mazedonien wandern,
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Tausend Meilen Marsch sind ein Kinderspiel.
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Wir sahen die deutsche Fahne strahlen
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In tausend Himmel und Höllenqualen,
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War immer ein Heiligenschein um sie.
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Und blieb uns die Zunge am Gaumen kleben,
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Und hiess es des Kaisers Kleider weben,
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Und schimpfte der Offizier uns: Vieh –
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Deutschland, Du bist unser Tod und Leben!
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Ich bin dein Knecht,
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Des Landes Knecht,
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Und stehe auf der Wacht.
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Schwarz ist die Nacht,
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Weiss ist der Schnee,
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Weh,
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Es droht
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Der Tod
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Dem morschen Weltgefüge.
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Rot fliesst das Blut aus unsrer Brust,
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O Lebensleid, o Lebenslust!
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Fliege, schwarzweissrote Fahne, fliege ...

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Mein Name ist Jochen Himmelreich,
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Anfang und Ende ist alles gleich,
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In den Unterständen brennt kein Sonnenlicht.
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Drei Jahre schlief ich nicht im Bette,
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Ich schnitt das Brot mit dem Bajonette,
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Oh: die Blutflecken weichen aus meinen Kleidern nicht.
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Bruder, wir wären Kameraden geworden,

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Aber wir müssen uns stechen und morden!
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Deinen Blick, sterbender Neger, vergess ich nie.
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Längst ist mir die eigene Sprache fremd.
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Ich trage eine Französinnenbluse als Soldatenhemd
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Und bin räudiger als das räudigste Vieh.
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Deutschland, die Schande wuchert und schlemmt!
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Ich bin dein Knecht,
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Des Landes Knecht,
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Und stehe auf der Wacht:
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Schwarz ist die Nacht,
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Weiss ist der Schnee,
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Weh,
45
Es droht
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Die Not
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Dem Kindlein in der Wiege!
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Rot
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Fliesst das Blut aus unsrer Brust,
50
O Lebensleid, o Lebenslust!
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Fliege, schwarzweissrote Fahne, fliege ...

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Mein Name ist Jochen Himmelreich,
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Mein Weib ersoff sich im Teich,
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Meine Kinder hungern und schreien durch die
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Nacht nach mir.
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Dieses Sommers Regenströme sind aus Kindertränen,
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Meine Arme muss ich in die Nächte dehnen
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Sterne, o ihr Sterne strauchelt nicht wie wir!
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Die Lumpen werden den Krieg und den Frieden für
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sich gewinnen,
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Während aus unsren Wunden unsere Seelen rinnen.
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Sie verkaufen unser Fleisch – Lebendgewicht – für Gold.
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Aber einmal werden wir erstehen,
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Tot und lebend euch ins Auge sehen,
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Wenn des Schicksals Feuerwagen rollt.
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Deutschland, wir werden die Ernte mähen!
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Ich bin dein Knecht,
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Des Landes Knecht,
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Und stehe auf der Wacht:
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Schwarz ist die Nacht,
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Weiss ist der Schnee,
72
Weh,
73
Droht
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Auch der Tod –
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Es breche oder biege!
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Rot
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Sucht das Blut sich seinen Pfad
78
Und düngt der Freiheit junge Saat.
79
Fliege, rote Fahne, fliege ...

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Klabund
(18901928)

* 04.11.1890 in Krosno Odrzańskie, † 14.08.1928 in Davos

männlich, geb. Henschke

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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