Robert der Teufel

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Klabund: Robert der Teufel (1909)

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Es lebte in der Normandie
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Ein Herzog edel, reich und milde.
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Er führte einen Leu im Schilde,
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Doch sah man solche Sanftmut nie.
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Kam einem Tier er ins Gehege,
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So trug er mit der Panzerhand
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Den Salamander aus dem Wege
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Und hob den Schmetterling ans Land,
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Der taumelnd noch vom Hochzeitsflug
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In eines Teiches Wellen schlug.

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Einst traf er eine Häsin an.
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Die braune Häsin lag im Kreissen.
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Da dachte seines Weibs der Mann,
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Nahm sich der Mutterklage an
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Und ward von diesem Tage an
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Der Herzog Hasenherz geheissen.
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Denn ohne Kinder war sein Heim,
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Drob ging schon Rede rauh und spöttisch.
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Er liebte seine Gattin göttisch.

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Von seinen Lippen floss ein Seim
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Der Liebesworte Süsse täglich.
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Die Küsse brannten loh und licht
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Auf ihren schönen Mund unsäglich.
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Gott segnete die Ehe nicht.

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Sie spielte mit den Kindern andrer.
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Sie hielt den Ärmsten offenes Haus,
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Sie gab dem Gumpelmann und Wandrer
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Das schönste Zimmer ihres Baus.
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Sie zeigte allen sich als Mutter,
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Da sie doch keines Mutter war.
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Ein Vogelweibchen, das mit Futter
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Noch jedem Kuckuck Mutter war.

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Oft lehnte sie versteint im Erker.
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Der sanfte Herzog aber schlich
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Durch Wald und Feld wie ein Berserker
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Und fluchte Gott und ihr und sich.

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Und einmal sprach er laut und leise
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(warf Brösel nach der zahmen Meise):
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Wie bald naht nun das Alter uns,
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Wo wir vereinsamt hinter Gittern
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Der Burg dem Tod entgegenzittern,
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Was soll dann jener Falter uns?
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Und jenes Glück der Weltbetrachtung,
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Die man dem Erben übermacht?
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Uns bleibt die eigene Verachtung,
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Die sich verweint und sich verlacht.

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Da schlug in seiner Gattin Wangen
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Jäh eine rote Flamme auf:
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Ich sah zum Kreuzesstamme auf
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Und Christus tot herniederhangen ...
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Wie oft erflehte Gott ich schon,
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So will ich heute dieses schwören:
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Schenkt mir der Teufel einen Sohn,
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So soll dem Teufel er gehören!
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Sie schliesst die Augen und verstummt,
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Da Tränen ihre Wimpern nässen.
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Der Herzog hat das Haupt vermummt,
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Und eine schwarze Fliege brummt
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Am Fensterplatz, wo er gesessen.

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Es war ihr nachts, als wenn was singe.
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Doch war das Singen sondrer Art,
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Als ob mit einer Degenklinge
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Sich kämpfend eine Lilie paart.
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Als sie erwachte, sah sie plötzlich,
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Wie eiligen Fusses ein Skorpion
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Die Wand entlang lief, und entsetzlich
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Scholl ihr vom Turm des Hornes Ton.
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Auf ihre Stirn fiel eine Zecke.
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Zwei Blumen lagen auf der Decke,
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Voll weissen und voll roten Mohns.
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Sie nimmt die weisse und zerpflückt sie,
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Und unterm Herzen spürt beglückt sie
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Die erste Regung ihres Sohns.

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Sie ging umher als wie im Tanz
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Und flocht aus gelben Butterblumen
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Dem Ungebornen einen Kranz.
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Und warf sich nieder auf die Krumen
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Und legte ihre Lenden bloss
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Und füllte Erde in den Schoss.
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Wie einen Korb voll reifer Birnen,
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So trug sie schwankend ihren Leib
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Und fühlte zwischen Fraun und Dirnen
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Sich selig als erkornes Weib.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Klabund
(18901928)

* 04.11.1890 in Krosno Odrzańskie, † 14.08.1928 in Davos

männlich, geb. Henschke

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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