Hiob

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Klabund: Hiob (1909)

1
Und war kein Elend, das ihn nicht befiel,
2
Und keine Seuchen, die ihn nicht bestürzten.
3
Es faulte sein Getreide schon am Stiel,
4
Ein Riff zerspellte seines Schiffes Kiel,
5
Und Tränen einzig seinen Abend würzten.

6
Sein Haus verbrannte. Seine Mutter ward
7
Von den Nomaden vor der Stadt geschändet.
8
Ein Sohn erhängte sich am ersten Bart.
9
Sein einziger Bruder hatte sich geschart
10
Der Räuberbande, die sein Vieh entwendet.

11
Und die die Bitternis versüsste: sie,
12
Die Frau aus Ebenholz und aus Granaten:
13
Ihr zweiter Sohn in Brünsten spiesste sie.
14
Mit ihren letzten Blicken grüsste sie
15
Den Gatten – welche wild um Rache baten.

16
Er aber kannte Rache nicht noch Hass,
17
So sehr der Schmerz sein Ackerland verwildert,
18
So unerschöpflich tief sein Tränenfass.
19
Er sang mit seinem frommen Pilgerbass
20
Dem Leben zu, dass sich um ihn bebildert.

21
Und hast du, Herr, wie Marmor mich zerschlagen,
22
Und gönntest du mir nicht die kleinste Tat:
23
Wie darf ich gegen deine Einsicht wagen
24
Auch nur die jämmerlichste meiner Klagen?
25
Du bist der Mäher und ich bin die Mahd.

26
Und sendest du auch Blitze, mich zu blenden,
27
Und machst du lahm den Leib, die Seele taub,
28
Und reisst du mir die Finger von den Händen:
29
Ich preise dennoch meiner Mutter Lenden
30
Und werde nimmer eines Unmuts Raub.

31
Dass einen Frühling ich im Licht erlebte,
32
Dass mir die Mutter süsse Kuchen buk,
33
Dass ich als Jüngling schön in Tänzen schwebte,
34
Dass ich am Teppich der Gedanken webte,
35
War dies nicht Glück und goldnes Glück genug?

36
Dass ich nur einmal durft mein Weib umarmen,
37
Dass ich nur einmal in die Sonne sah:
38
Dies ist soviel schon meines Gotts Erbarmen,
39
Dass ich der Reichste unter allen Armen –
40
Lob sei und Preis dem Herrn. Hallelujah!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Klabund
(18901928)

* 04.11.1890 in Krosno Odrzańskie, † 14.08.1928 in Davos

männlich, geb. Henschke

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.