François Montcorbier, genannt Villon

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Klabund: François Montcorbier, genannt Villon Titel entspricht 1. Vers(1909)

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François Montcorbier, genannt Villon,
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Geboren Vierzehnhunderteinunddreißig,
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Als Schüler faul, als Buhler strebsam fleißig,
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Aus dunkelstem Paris, und darob lichtscheu.
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Mit Faltern schwebend, Blüten blühend, pflichtscheu.
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Bekannt von Meung sur Loire bis Roussillon,
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Der Leibpoet des Herzogs von Bourbon
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Und Leibpoet des letzten Straßenweibs,
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Bedacht auf sondre Art des Zeitvertreibs,
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Landstreicher, Gauner, Dieb, Zechpreller – und
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Hündischer oft traktiert als der geringste Hund,
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Um eines Haares Breite Mörder gar,
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Mitglied der Bruderschaft der coquillards -
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Liegt hier begraben: was er lebt' und litt,
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Teilt er euch in des Meisters Werken mit.
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Lag seine Stirn im Kot, sein armer Leib im Kofen,
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Aus seinem Munde klang ein goldner Chor von Strophen.
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Das erdendunkle Herz entzündet Sternenlicht.
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Als er am Himmelstore angelangt,
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Hat die Madonna selbst gebetet und gebangt.
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Gottvater ließ ihn gnädig in den Himmel ein:
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Weil du mich stets gesucht, sollst du willkommen sein.
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Gefunden hast du mich. Du bist Poet nicht mehr.
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Tritt als ein Engel in das selige Engelheer.
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Da lächelt Villon ernst – und schluchzt mit einemmal:
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Ich komme aus der allertiefsten Hölle Qual.
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Läßt du die Mörder, Diebe, Fälscher, Ehebrecher,
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Die Dirnen, Räuber, Säufer, Gauner, Degenstecher,
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Die meine Brüder sind, nicht in den Himmel ein,
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So soll die Seligkeit mir nicht vorhanden sein.
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Nicht eine Stunde blieb ich selig, wenn ich wüßt,
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Daß in der Höll ein armer Bruder leiden müßt.
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Gottvater, lebe wohl! Ich will kein Heuchlerglück!
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Zu meinen Brüdern kehr ich in die Höll zurück.
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Und bin erst wieder hier, wenn die Posaune lehrt,
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Daß Gott dem Ärmsten auch das himmlisch Reich gewährt.
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Daß Gott dem Letzten auch ob seiner Tat nicht grollt,
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Die ohne Gott nicht wär – denn Gott hat
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Schenk allen Erdenwandrern die ersehnte Ruh! –
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Und hob die Hand zu Gott. Und sank der Tiefe zu.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Klabund
(18901928)

* 04.11.1890 in Krosno Odrzańskie, † 14.08.1928 in Davos

männlich, geb. Henschke

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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