Freund, der den Söhnen und den Töchtern

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Freund, der den Söhnen und den Töchtern Titel entspricht 1. Vers(1786)

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Freund, der den Söhnen und den Töchtern
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Der horchenden Germania
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Und allen kommenden Geschlechtern,
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Die Hackbrett und Harmonika
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Mit ihren Ohren nicht vermengen,
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Vom schlauen Sohn der Zypria,
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In hundert reizenden Gesängen,
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So manchen Schwank erzehlet hat:
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Darf ich an deinen Arm mich hängen,
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Und dir auf einem Epheublatt
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Von ihm ein rauhes Liedchen blasen?
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Ich borg es aus der goldnen Zeit,
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Da Lamm und Tieger, Hund und Hasen,
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In friedlicher Vertraulichkeit
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Aus Tellus großer Schüssel aßen,
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Und Einfalt und Zufriedenheit
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Die reine Brust des jungen Hirten
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Und seiner schmucken Dirne zierten.
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In jener schönen goldnen Zeit
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War Amor noch ein biedrer Junge;
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Er schnellte freundlich sein Geschoß
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Nur auf verwandte Herzen los,
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Und jeder Blick und jede Zunge
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Pries seine süße Zaubermacht:
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Denn seine Falkenaugen drückte
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Noch nicht der Flor der Mitternacht,
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Und seine weissen Schultern schmückte
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Noch nicht der Flügel falsche Pracht.
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Auch trennte nur der Tod die Herzen,
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Die sein geweihtes Band umgab,
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Und mancher Greis fuhr unter Scherzen
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Mit seinem Mütterchen ins Grab.
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Denn auch im Bild der schönsten Tage
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Der Menschheit stehen Sarkophage,
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Und leider oft im Vordergrund.
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So fiel in ihrem Lenz Charite,
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Ein Mädchen, gleich der Aphrodite,
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Wie sie vor Priams Sohne stund.
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Umsonst drang Thirsis, von den Ketten
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Der Libitina sie zu retten,
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Wie Orpheus in den Höllenschlund.
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Umsonst war selbst des Amors Zähre,
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Die auf der Mutter Busen floß.
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Mein Kind, sprach Venus, hat die Scheere
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Der fürchterlichen Atropos
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Einmal den Faden abgeschnitten,
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So knüpft kein Gott ihn wieder an. –
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Nun, sagt er, kann ich nichts erbitten,
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So räch ich mich! – Gesagt, gethan.
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Er eilet in die dunkeln Zonen,
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Wo die drey Spinnerinnen thronen,
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Die des Geschickes Mägde sind.
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Nach vielen Knicksen, vielen Grüßen
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Von der Mama, schleicht sich das Kind
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Zur Atropos. Mit hundert Küssen
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Macht er die graue Vettel zahm,
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Und als sie eine Prise nahm,
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Erwischt er schnell die blanke Scheere
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Und wirft sie in den Erebus.
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Er flieht. Doch schnell erschien die Mähre
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In dem Olymp. Saturnius
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Berief die himmlischen Magnaten,
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Um sich mit ihnen zu berathen,
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Und alle schrieen voll Verdruß:
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Erhöhen wir die stillen Freuden
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Des Menschen durch Unsterblichkeit,
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So würden seine Seligkeit
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Die Götter selbst mit Recht beneiden! –
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Nur Atropos schwieg zu dem Streit,
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Mit ihren Ferien zufrieden,
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Und Zevs war auch noch unentschieden,
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Als Charon, eisgrau, wie die Zeit,
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Und mit Alektos Wuth im Blicke,
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In die lazurne Halle drang.
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Wie lang, o Vater der Geschicke,
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Rief er aus heiserm Hals, wie lang
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Schweigst du zu Amors Bubenstücke?
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Schon sieben Tage bringt der Tod
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Mir keine Schatten aus dem Lande
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Der Sterblichkeit. Mein leckes Boot
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Liegt müßig an dem öden Strande;
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Und ich, Herr Zevs, bin ohne Brod.
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Auf einmal braust es wie ein Wetter
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Durch den Olymp. Das Chor der Götter
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Kreischt des Matrosen Klage nach;
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Und Zevs, statt ihn zum Stubenheitzer,
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Zum Bratenwender, oder Schweizer
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Zu machen, thut was mancher Schach
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Der Christenheit in Ost und Westen;
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Um einen Diener fett zu mästen,
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Erwürgt er huldreich eine Welt.
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Der Parze ward vom härtsten Stahle
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Bey Venus hinkendem Gemahle
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Ein neues Instrument bestellt.
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Und Amor? Rachsucht und Kabale
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Behielt auch gegen ihn das Feld.
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Sein Flehn und seiner Mutter Thränen
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Vermogten nicht den wilden Greis,
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Die harten Richter zu versöhnen!
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Und selbst auf Jupiters Geheiß
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Nahm Ganimed die dichte Binde
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Der ernsten Themis von dem Kopf
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Und band damit Cytherens Kinde
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Die Augen zu. Der arme Tropf
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Schleicht nun im Finstern an den Wänden.
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Der Zufall blos lenkt sein Geschütz,
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Und Themis läßt sich durch den Blitz
108
Des Golds die offnen Augen blenden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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