Ein Philosoph, des Ordens Ehre

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Ein Philosoph, des Ordens Ehre Titel entspricht 1. Vers(1786)

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Ein Philosoph, des Ordens Ehre,
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Ritt einst nach einem Doctorschmaus,
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Bewehrt mit Säbel, Schild und Speere,
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Auf einer flüchtigen Chimäre,
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Voll Muths auf Abendtheuer aus.
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Die Wahrheit, diese spröde Dame,
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Der Magier, Sophist und Brame
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Zu allen Zeiten nachgesetzt,
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Ist auch das Wildpret das er hetzt.
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Allein zu seinem grösten Grame,
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Verlor er stets die rechte Spur:
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Er tummelte die rasche Mähre,
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Bald in das Kreuz bald in die Queere,
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Erbost, durch eine stille Flur,
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Als er ein Hirtenweib erblickte,
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Das unter Disteln Beeren pflückte;
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Die Göttin wars, die unerkannt,
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Mit scharfem Blick und offnen Mienen,
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In einem weissen Flachsgewand
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Wie sie dem Sokrates erschienen,
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Vor seinem trüben Auge stand:
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Wohin? sprach sie mit ernstem Spotte.
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Je! nach der Wahrheit Zauberschloß,
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Erwiederte der Don Quixotte.
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Das findst du nicht auf diesem Roß;
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Sie wohnt in einer stillen Grotte,
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Zu der ein rauher Pfad sich krümmt,
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Den, wie die alten Sagen melden,
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Auch selbst der tapferste der Helden
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Nur schwer und nur zu Fuß erklimmt.
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Zu Fuße? sprach mit bitterm Hohne
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Der weise Ritter zur Matrone,
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Ha, ha! so dumm sind wir nicht mehr:
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Mein gutes Weib, laß dir bedeuten,
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Daß schon seit vielen Jahren her
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Die Philosophen alle reiten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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