Der Sultan Meledin war seines Vaters Sohn

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Der Sultan Meledin war seines Vaters Sohn Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Der Sultan Meledin war seines Vaters Sohn,
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Das wichtigste Verdienst der meisten Prinzen,
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Und saß so schief als er, auf der Aliden Thron,
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Der Mufti, der Vezier und Rabbi Sabulon,
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Der Colbert seines Hofs, beherrschten die Provinzen.
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Indessen hieß man ihn der Perser Salomon
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Und pries sein Regiment auf Säulen und auf Münzen
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Im höchsten Epopöenton.

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Einst kam ein alter Mandarin
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An seinen Hof, der Sinas Reichsgeschichte
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(so lautete sein Paß) in einem neuen Lichte
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Der Nachwelt dargestellt. Wohlan! sprach Meledin,
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Ich mache dich zu meinen Biographen,
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Und schenke dir ein Haus, vier Pferde, sieben Sklaven,
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Und jährlich zehn Pfund Golds für Federn und Papier,
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Doch ehe Sonn und Mond noch dreymal untergehen,
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Will ich mit meinem Großvezier
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Den Grundriß deiner Arbeit sehen.

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Gerühret und gespornt durch des Monarchen Gunst
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Entwarf der Mandarin auf einem Drachenfelle,
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In einer prächtigen Tabelle,
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Die Skizze seines Werks, ein Meisterstück der Kunst,
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Worauf der Name seines Mäcenaten
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Als Hauptfigur in goldner Schrift erschien,
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Und jede seiner großen Thaten
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Mit einem Denkstrich von Karmin.

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Vortreflich! rief der Schach, und las mit stolzer Miene
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Die Schlachten her, die sein Vezier gewann,
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Indeß er in dem Arm der schönen Nuredine
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Bald Betel zog, bald Seide spann.
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Vortreflich, rief er bey den Monumenten
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Der Menschenhuld und des Genies,
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Die Sabulon zur Ehre des Regenten,
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Auch wohl zu Mehrung eigner Renten
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In seinem Namen werden hieß.

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Auf einmal stutzt der Fürst: was hast du hier geschrieben?
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Die Gebern, die, wie deine Tafel sagt,
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Mein blinder Eifer aus dem Reich verjagt,
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Hat Ibrahim, der Mufti, fortgetrieben;
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Auf ihn must du den Fehler schieben.

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Ich hab am Aechtungsbrief dein Siegel hängen sehn,
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Versetzt der Mandarin: wenn die berühmten Thaten,
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Die deine Diener angerathen
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Und ohne dich verübt, auf deiner Rechnung stehn;
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So must du, Herr, dich auch bequemen,
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Das Böse, das durch sie geschehn,
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Als eigne Schuld auf dich zu nehmen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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