Drey Brüder schifften nach der Insel

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Drey Brüder schifften nach der Insel Titel entspricht 1. Vers(1786)

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Drey Brüder schifften nach der Insel
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Der Weisheit, die der blasse Pinsel
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Des Erdensohns nicht malen kann.
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Itzt landen sie nach langem Pflügen
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Des Oceans am Ufer an.
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Es war im Frühling. Voll Vergnügen
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Sehn sie den Felsen vor sich liegen,
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Auf dessen Scheitel der Altar
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Der Göttlichen gegründet war,
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Den Davids Sohn ihr einst erbaute.
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Er trug den goldenen Pokal,
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In den ein flüßiger Crystal
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Aus einer Rosenwolke thaute.
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Der jüngste Bruder eilt und klimmt
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Zuerst hinauf, springt hin und nimmt,
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Um ihn auf einmal auszuleeren,
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Den Kelch und stürzt ihn gierig ein.
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Doch schnell gerann der Trank zum Stein.
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Umsonst war schlürfen, rütteln, kehren;
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Er setzt den Kelch verdrießlich hin,
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Entschlossen wieder heimzuziehn.
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Ich gehe mit, versetzt der zweyte;
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Allein den Kelch nehm ich als Beute
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Von meiner Wallfahrt mit nach Haus
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Und trink auf meinem Ruhebette,
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Mit Sirup wohl versetzt, ihn aus.
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Er faßt ihn; doch die Demantkette
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Des Schicksals hält ihn mauerfest
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An dem Altar. Daß dich die Pest!
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Rief er, kommt Brüder, laßt uns eilen:
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Hier spuckt der Satan und sein Heer.
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Ich, sprach der dritte, will hier weilen!
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Vielleicht – Schon hören sie nicht mehr.
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Der neue Siedler läßt die Gecken
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Von hinnen ziehn, baut sich ein Haus
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Von laubichten Wachholderhecken,
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Sucht Schwämme, gräbt sich Wurzeln aus,
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Wovon ihm auch die bittern schmecken
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Und lechzet er im Mittagsstrahl
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Nach einem Trunk zum kargen Mahl;
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So fällt er zu des Altars Füßen
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Und ruft voll Inbrunst: laß, o laß
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Zum Labsal vom geweihten Naß
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Mir, Göttin, ein Paar Tropfen fließen!
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Nie bat der biedre junge Mann
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Vergebens; mit gestärkter Seele
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Griff er den Kelch. Der Balsam rann
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Wie Muttermilch in seine Kehle,
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Und ehe noch vom Felsenhang
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Das Lied der himmelblauen Meise
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Den traubenreichen Herbst besang,
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War er, was wenig werden – weise.
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O glaube, glaube mir, mein Sohn;
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Uns führt kein flacher Sammethügel
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Zur Weisheit. Mancher ehrne Riegel
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Versperrt die Bahn zu ihrem Thron;
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Auch leert man ihre Götterschale
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Nicht, wie Campanische Pokale,
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Auf einmal aus; noch kannst du sie
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Auf weiche Polster zu dir rufen.
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Wer nicht mit Schweiß die schroffen Stufen
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Des Bergs ersteigt; der schauet nie
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Ihr Angesicht. Doch trittst du frühe,
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Und ungetäuscht von Heldenwahn
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Und eitler Furcht, die Wallfahrt an;
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So lohnt die Göttin deine Mühe;
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Sie flößt dir ihren Nektar ein,
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Und alles Glück der Welt ist dein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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