Ein grauer Fackir, welcher zwar

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Ein grauer Fackir, welcher zwar Titel entspricht 1. Vers(1787)

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Ein grauer Fackir, welcher zwar
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Noch frisch und stark von Gliedern war,
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Allein von Jugend auf an Krücken
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Zu gehn gewohnt, itzt ohne sie
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Nicht fähig war vom Fleck zu rücken,
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Warf sich am Ganges auf sein Knie,
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Um einsam sein Gebet zu halten.
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Ein Europäer sah ihn da
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Voll Andacht seine Hände falten:
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Es war ein kleiner Attila
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Vom neuen Philosophenorden:
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Ihm ward das Rauben und das Morden,
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Nur nicht der Aberglaube recht.
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Er schlich versteckt sich durch die Hecken,
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Und lachend nahm der Henkersknecht
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Dem Beter seine beyden Stecken.
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Der Fackir rafft sich auf und fällt:
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Er fleht, er weint; allein vergebens.
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Der Räuber hüpfte durch das Feld;
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Und trug die Stützen seines Lebens
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Als Siegeszeichen vor sich her.
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Ein weiser Brame, welcher mehr,
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Als was der Vedam lehrt, gelernet,
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Und das Geräusch der Welt zu fliehn,
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Sich in die Einsamkeit entfernet,
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Eilt zum verlaßnen Pilger hin,
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Trägt liebreich ihn auf seinem Rücken
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In seine Hütte, tröstet ihn,
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Und schenkt ihm ein Paar neue Krücken;
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Hier, Freund, sprach er; indessen sie
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Des Armen Hände gierig fassen:
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Auch dieses ist Philosophie,
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Dem, der sie brauchet, sie zu lassen.
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Das thust du, Freund, und wirst mißkannt
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Und wirst der Toleranz zur Ehre,
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Für diese ketzerische Lehre,
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Wohl gar ein Jesuit genannt.
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Sey mir gegrüßt, ein lieber Pater!
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Du heiligst Loyolas Gewand.
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Ein Glück ists, daß der heilge Vater,
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Als er die schwarze Zunft verbannt,
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Den Bruder Caspar nicht gekannt;
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Es wäre sonst dein ganzer Orden
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Blos dir zu lieb verschonet worden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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