3. Unsre Frauen

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Max von Schenkendorf: 3. Unsre Frauen (1800)

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Vieles hat die Zeit vernichtet
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In dem starken Riesengang,
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Vieles hat sich selbst gerichtet,
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Als der Donner Gottes klang;
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Vieles ist in Staub zerstoben,
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Trüber Nächte Wahn entschwand,
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Eines hat sich rein erhoben
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Aus dem allgemeinen Brand.
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Einen Altar auserlesen,
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Einen Tempel sel'ger Lust,
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Hatte sich das deutsche Wesen
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Längst in keuscher Frauenbrust.

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In des Heidenthumes Nächten
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That sich schon durch Frauenmund
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Kühnes Wort von ew'gen Rechten
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Und von ew'ger Schönheit kund.
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Frauen frei und ohne Makel
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Schlossen stets den Schlachtenreihn,
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Frauen sprachen das Orakel
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In dem alten Eichenhain.
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Aus den Eichen wurden Säulen
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Für das deutsche Gotteshaus,
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Drin, der Völker Weh zu heilen,
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Goß ein Gnadenbrunn sich aus.

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Reich erfüllt war nun das Hoffen,
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Schnell gestillt ein heißes Flehn,
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Und man sah den Himmel offen,
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Sah die Mutter Gottes stehn.
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Feinde wurden Bundsgenossen,
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Ritter dienten fromm und mild,
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Ueber Schwertern und Geschossen
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Waltete ein Friedensbild.
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Friedensbild, dein Zeichen tragen
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Unsre Frauen heute noch,
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Wie in heil'ger Vorzeit Tagen,
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Lösen sie das schwerste Joch.

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Als die schlechte Zeit gekommen
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Und die welsche Raserei,
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Blieben unsre Klaren, Frommen
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Von dem bösen Taumel frei.
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Männernacken war gebogen,
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Stolzgewappnet Frauenbrust,
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Und die deutschen Knaben sogen
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Feindeshaß und Freiheitslust.
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Neiget euch den frömmsten Werken,
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Euch dem schönen Liebestod,
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Seht sie wunde Krieger stärken
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Mit dem Wort, mit Wein und Brod.

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Zwei vor Allen, zwei vor Allen
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Sind es, die der Sänger nennt,
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Die, zwei sel'ge Geister, wallen
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Beide jetzt am Firmament.
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Eine hat im Sturmestoben
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Längst ihr schönes Haupt gesenkt,
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Hat, ein Gnadenbild, von oben
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Ihrer Völker Zug gelenkt.
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Doch die Reine, Hohe, Zweite
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Stand im heißen Männerstreit,
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Freiheitskampf und Siegsgeläute
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Hat ihr kühnes Herz erfreut.

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Glorreich ist auch sie erhoben
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In das ew'ge Friedensland,
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Nun von beiden Fraun gewoben
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Wird ein wunderbares Band.
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Die ihr noch zu ihren Füßen
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Wandelt in dem deutschen Reich,
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Schaut, wie sie sich droben grüßen,
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Völker, und umarmet euch!
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Franz und Wilhelm, Völkerhirten,
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Fragt ihr, was das Schicksal meint?
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Eure Lorbeern, eure Myrthen,
72
Eure Palmen blühn vereint! –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max von Schenkendorf
(17831817)

* 11.12.1783 in Sowetsk, † 11.12.1817 in Koblenz

männlich

deutscher Dichter, Liedermacher und Soldat

(Aus: Wikidata.org)

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