Die deutschen Städte

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Max von Schenkendorf: Die deutschen Städte (1800)

1
Es war ein Band gewoben
2
Im heil'gen deutschen Land,
3
Das fest und wohl den Proben
4
Des Teufels widerstand.
5
Noch schreiten die Gestalten
6
Der Weber durch die Flur,
7
Die sprechen: ewig halten
8
Soll unsre heil'ge Schnur.

9
Es ward ein Bau erhoben,
10
Der Freiheit Hof und Saal;
11
Den Meister soll man loben,
12
Der solches Werk befahl,
13
Die Pfeiler sind gegründet
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Auf Treu' und Ständigkeit,
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Der Mörtel, der sie bindet,
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Ist Lieb' und Einigkeit.

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Die Feinde überzogen
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Das junge Kaiserthum,
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Da brach am Heidenbogen
20
Der Väter Waffenruhm.
21
Wer wird das Reich erretten?
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Wer nimmt der Freiheit Wehr?
23
Sie bringen uns die Ketten
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Auf offner Straßen her.

25
O Heinrich, deutscher Kaiser,
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Nimm ew'gen Ruhmes Schein;
27
Du führst in feste Häuser
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Die freien Bürger ein.
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Der an dem Vogelherde
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Die heil'ge Krone fand,
31
Hat von der heil'gen Erde
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Den schlechten Feind gebannt.

33
Bei
34
Ein altes festes Schloß,
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Wo nimmermehr zu weichen
36
Der kranke Herr beschloß.
37
Weit scholl der Heiden Klage
38
O
39
Und noch erzählt die Sage
40
Von

41
Vom Felde zog der Neunte,
42
Das gab ein' starke Schaar,
43
Und was der Kaiser meinte,
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Ward herrlich offenbar.
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Von tausend Herden ziehend
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Sah man des Gastmahls Rauch,
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Wenn Wald und Aecker blühen,
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Die Städte blühen auch.

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So wurde klug errichtet
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Der Freiheit Damm und Wehr,
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Gar manchen Streit geschlichtet
52
Hat kleines Bürgerheer.
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Der mag auch Schwerter schwingen,
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Wer kühn das Werkzeug führt,
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Und Ritterschlösser zwingen;
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Die seine Kunst verziert.

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Noch immer mag die Kunde
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Der Bürger Herz erfreu'n,
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Vom alten Schwabenbunde,
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Vom Städtebund am Rhein.
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Von Schlachten ohne Tadel
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Spricht mancher alte Reim;
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Und herrlich blüht der Adel
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Von Waldpot Bassenheim.

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Doch welcher soll vor Allen
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Das höchste Lob geschehn;
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Laß deine Fahnen wallen,
68
Laß deine Flaggen wehn,
69
O
70
Von Männern im Gesang,
71
Die in den fernen Kreisen
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Um Ruhm und Beute rang.

73
Den Weg hast du bereitet,
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Dem höchsten Christengott,
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Hast deutsche Art verbreitet
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Bis
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Aus mildem Bürgerstande,
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Aus stillem Bürgerfleiß
79
Erblüht im heil'gen Lande
80
Der Ritterorden Preis.

81
Was gleich verklung'nen Sagen
82
Aus grauer Vorzeit scholl,
83
Hat man in diesen Tagen
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Gesehen staunensvoll.
85
Der Feind betrat die Schwellen,
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Da zogen Schiffer aus
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Und wohnten auf den Wellen
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Im leichten freien Haus.

89
Ein Hansastaat im Meere,
90
Ein Hansastaat im Feld,
91
Der als Tyrannenwehre
92
Sich kühn entgegenstellt.
93
Laß Flammen dich verzehren,
94
O
95
Man wird in jungen Ehren
96
Dich Phönix wieder sehn.

97
Auch dir mein freies
98
Sei Gruß und Ruhm und Heil!
99
Du darfst mit Ehren nehmen
100
Von diesem Sieg dein Theil,
101
Es hat in dir geschworen
102
Die feine Jungfrauschaar:
103
»dem sei die Braut verloren,
104
Wer nicht im Felde war.«

105
Blüht auf, ihr starken Dreie
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Am deutschen Meeresstrand,
107
Ein Reich der Zucht und Treue,
108
Ein Schmuck vom deutschen Land.
109
Wer also treu gehalten
110
Am Vaterland und Eid,
111
Soll ferner auch verwalten
112
Der Heimat Herrlichkeit.

113
Mein
114
Des Ritterthums geruht,
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Bald auf granit'nem Throne,
116
Bald an der warmen Flut;
117
Berühmt seit grauen Zeiten
118
Ehrwürd'ge
119
Erwacht am Klang der Saiten
120
Aus eurer langen Ruh'!

121
Du Thor der deutschen Lande,
122
O Bundesveste
123
Du frommes
124
Des lieben alten Rheins;
125
Ein hohes Amt laß halten
126
In deinem heil'gen Dom,
127
Damit sie wohl verwalten
128
Die Wacht am deutschen Strom.

129
Von Waffen hör' ich's schallen
130
O
131
Viel Kaufherrn seh' ich wallen
132
In reicher Rüstung Zier.
133
Bewehre nur, mein
134
Die Bürger männiglich;
135
Dann setzen auf die Stühle
136
Schultheiß und Schöppen sich.

137
O Waffenstahl, sprüh' Funken,
138
Sprüh' Funken, edler
139
Vom Wein der Freiheit trunken
140
Laß jeden Bürger sein.
141
Der Formen todte Satzung
142
Lebt auf am kühnen Wort,
143
Man geht von eigner Schatzung
144
Zu bessern Rechten fort.

145
Laßt jedem Bürger geben
146
Den Raum zu Wort und That,
147
Und strömen wir das Leben
148
Vom Bürger in den Rath.
149
Das Zeichen von dem Bunde
150
Ist ja der Eichenbaum,
151
Der wächst aus tiefem Grunde
152
Zum hellen freien Raum.

153
Von Kleinen ist zu melden,
154
Was je die Großen hob,
155
Und
156
Errangen ew'ges Lob.
157
Ja lasset alle Kleinen
158
Erst kühn und würdig sein,
159
Dann soll es bald erscheinen,
160
Wie Freiheit will gedeihn.

161
Mit deinen Kirchenhallen
162
Und südlich schöner Pracht
163
Den Deutschen zu gefallen,
164
Nimm,
165
Im Lechfeld ist erlegen
166
Der Ungarn wildes Heer:
167
Nun schmiedet Otto's Degen
168
Zu freier Bürger Wehr!

169
Dich wird, o Bundesstätte,
170
Kein Welscher mehr entweihn;
171
Vielleicht ziehn weis're Räthe
172
Bald wieder bei dir ein.
173
O
174
Die Männer treu und werth,
175
Es wird mit Waffenklange
176
Ein Heldenrath geehrt.

177
Wenn einer Deutschland kennen
178
Und Deutschland lieben soll,
179
Wird man ihm
180
Der edlen Künste voll.
181
Dich, nimmer noch veraltet –
182
Du treue fleiß'ge Stadt,
183
Wo
184
Und

185
Das ist die deutsche Treue,
186
Das ist der deutsche Fleiß,
187
Der sonder Wank und Reue
188
Sein Werk zu treiben weiß.
189
Das Werk hat Gott gegeben,
190
Dem, der es redlich übt,
191
Wird bald sein ganzes Leben
192
Ein Kunstwerk, das er liebt.

193
Ihr hohen Fürstensitze
194
Von
195
Seid ewig ihre Stütze
196
Und ihrer Kronen Glanz!
197
Du sollst auf Deutschland wirken
198
Entsündigtes
199
Die Welschen wie die Türken
200
Vermeiden künftig

201
O
202
Dir glänzt ein ew'ges Licht,
203
Zu dir den Weg zu finden,
204
Braucht man den Führer nicht.

205
Man wird es nie vergessen,
206
Wie Babels Thurm erlag,
207
Man spricht von
208
Bis an den jüngsten Tag.

209
Wie man den Feind befehdet,
210
Das große Freiheitswerk,
211
Beschlossen und beredet
212
Ward es in
213
Am deutschen Eichenstamme
214
Du frisches grünes Reis,
215
Du meiner Jugend Amme,
216
Nimm hin des Liedes Preis.

217
Im Freiheits-Morgenrothe,
218
In Moskaus heil'gem Schein
219
Kam ein geweihter Bote
220
Zu dir, der feste
221
Er zog in Kraft zusammen
222
Der Landesväter Kreis,
223
In den trug seine Flammen
224
Held

225
Da brach mit Sturmes Schnelle
226
Hervor dein starker Sinn,
227
Nun maß mit andrer Elle
228
Der Kaufmann den Gewinn.
229
Nun trieben die Studenten
230
Erst recht die Wissenschaft,
231
Und alle Herzen brennten
232
In

233
Du köstliches Geschmeide
234
Vom tapfern Preußenland,
235
O Stadt, im Glück und Leide
236
Gleich fromm und treu erkannt;
237
Am Weichselstrom, am Meere,
238
Mein
239
Erblüht von Glück und Ehre
240
Für dich ein neuer Strauß.

241
Wie tief auch noch versunken
242
Die alte Herrlichkeit,
243
In Aschen glimmt ein Funken –
244
Wir wecken ihn zur Zeit.
245
Es kommt ein Tag der Rache
246
Für aller Sünder Haupt,
247
Dann sieget Gottes Sache;
248
Das schauet, wer geglaubt.

249
Dann wollen wir erlesen
250
Die Schwester, fromm und fein,
251
Aus der Gewalt der Bösen,
252
Die starke Burg am Rhein,
253
Die
254
Des falschen Frankreichs liegt,
255
In der nach ew'gen Maßen

256
Indeß, du freies Wesen,
257
Gedeihe weit und breit,
258
Der Herr hat dich erlesen
259
Zum Zeichen für die Zeit.
260
Die Fürsten sollen kommen
261
Sammt ihrer Ritterschaft,
262
Und lernen, sich zum Frommen
263
Der Freiheit Wunderkraft.

264
In fester Mauern Mitte
265
Blüht eine frische Welt,
266
Da ward die milde Sitte
267
Zum Wächter wohl bestellt;
268
Die hat gar treu gehütet
269
Den anvertrauten Schatz,
270
Als rauher Sturm gewüthet,
271
Stand sie an ihrem Platz.

272
Nun gilt's ein neues Bilden;
273
So komm' in deiner Kraft,
274
Aus himmlischen Gefilden
275
Zur Erde Wissenschaft!
276
Man soll dich treulich pflegen
277
Du theures Erb' und Gut,
278
Daß noch im Vätersegen
279
Der freie Enkel ruht.

280
O komm' in unsre Säle,
281
In unsre Schulen komm',
282
Mit rechter Treu' uns stähle
283
Und mach' uns wieder fromm.
284
Es haben ja die Alten,
285
Die weisen, bärt'gen Herrn,
286
Den Glauben auch gehalten
287
Für alles Wissens Kern.

288
Frisch auf du Bürgerjugend,
289
In Waffen tummle dich!
290
Das heiß' ich rechte Tugend,
291
Zu kämpfen männiglich.
292
Der sei der Bürgermeister,
293
Der wohl die Waffen führt,
294
Im Rathe kühn die Geister,
295
Im Feld sein Heer regiert.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max von Schenkendorf
(17831817)

* 11.12.1783 in Sowetsk, † 11.12.1817 in Koblenz

männlich

deutscher Dichter, Liedermacher und Soldat

(Aus: Wikidata.org)

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