Auf dem Schloß zu Heidelberg

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Max von Schenkendorf: Auf dem Schloß zu Heidelberg (1800)

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Es zieht ein leises Klagen
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Um dieses Hügels Rand –
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Das klingt wie alte Sagen
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Vom lieben deutschen Land.
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Es spricht in solchen Tönen
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Sich Geistersehnsucht aus:
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Die theuren Väter sehnen
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Sich nach dem alten Haus.

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Wo der wilde Sturm nun sauset,
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Hat in seiner Majestät
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König Ruprecht einst gehauset,
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Den der Fürsten Kraft erhöht.
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Sänger kamen hergegangen
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Zu dem freien Königsmahl
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Und die goldnen Becher klangen
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In dem weiten Rittersaal.

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Wo die granit'nen Säulen
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Noch stehn auf Karls Palast,
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Sah man die Herrscher weilen
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Bei kühler Brunnen Rast.
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Und wo zwei Engel kosen,
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Der Bundespforte Wacht,
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Zeigt uns von sieben Rosen
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Ein Kranz, was sie gedacht.

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Ach! es ist in Staub gesunken
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All' der Stolz, die Herrlichkeit:
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Brüder, daß ihr letzter Funken
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Nicht erstirbt in dieser Zeit,
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Laßt uns hier ein Bündniß stiften,
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Unsre Vorzeit zu erneu'n,
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Aus den Grüften, aus den Schriften
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Ihre Geister zu befrei'n.

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Vor allen die gesessen
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Auf Ruprechts hohem Thron,
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War einem zugemessen
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Der höchste Erdenlohn:
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Wie jauchzten rings die Lande
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Am Neckar jener Zeit,
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Als er vom Engellande
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Das Königskind gefreit.

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Viel der besten Ritter kamen,
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Ihrem Dienste sich zu weih'n.
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Dort, wo noch mit ihrem Namen
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Prangt ein Thor von rothem Stein,
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Ließ sie fern die Blicke schweifen
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In das weite grüne Thal.
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Nach den Fernen soll sie greifen
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In des Herzens falscher Wahl.

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Da kam wie Meereswogen,
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Wie rother Feuersbrand
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Ein bitt'res Weh gezogen
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Zum lieben Vaterland.
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Die alten Vesten bebten,
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Es schwand des Glaubens Schein,
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Und finstre Nächte strebten –
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Die Fremden zogen ein.

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Weit erschallt wie Kirchenglocken
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Und es weckt so süßes Locken
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Immerdar des Welschen Neid.
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Wunden mag er gerne schlagen
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Dir mit frevelvoller Hand,
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Wie er in der Väter Tagen
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Die gepries'ne Pfalz verbrannt.

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Zu lang nur hat gegolten
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Die schmähliche Geduld;
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Doch was wir büßen sollten,
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Wie groß auch unsre Schuld –
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Sie ist rein abgewaschen
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Im warmen Feindesblut,
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Und herrlich aus den Aschen
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Steigt unser altes Gut.

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Lange hielten drum die Wache
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Jene Ritter an dem Thurm,
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Ob nicht käme Tag der Rache,
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Ob nicht wehte Gottes Sturm.
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Jetzt erwarmen sie am Scheine
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Von dem holden Freiheitslicht,
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Daß die Brust von hartem Steine
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Schier in Wonn' und Liebe bricht.

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So stieg nach dreißig Jahren
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Elisabeth, dein Sohn,
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Der manches Land durchfahren,
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Auf seines Vaters Thron.
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Er that, wie Ritter pflegen,
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War seines Landes Schutz,
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Und bot mit seinem Degen
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Dem Welschen Schimpf und Trutz.

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Nimm denn auch auf deinem Throne,
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Theurer, höchster Heldenschatz,
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Angethan mit goldner Krone,
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Alles will für dich erglühen,
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Alte Tugend ziehet ein,
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Und die deutschen Würden blühen
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An dem Neckar, wie am Rhein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max von Schenkendorf
(17831817)

* 11.12.1783 in Sowetsk, † 11.12.1817 in Koblenz

männlich

deutscher Dichter, Liedermacher und Soldat

(Aus: Wikidata.org)

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