Als wir zum Schlagen rückten

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Max von Schenkendorf: Als wir zum Schlagen rückten Titel entspricht 1. Vers(1800)

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Als wir zum Schlagen rückten
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Und nun die Stadt erblickten,
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Bei der man künftig schwört;
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Da dachten wir im Herzen
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Auch an den zweiten Mai,
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Und deine Wittwenschmerzen
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Erwachten in uns neu.

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Wir sahen Wolken schwimmen,
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Wir hörten Geisterstimmen
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Vom nahen Lützenheer.
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Die Donner Gottes klangen
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In Ost, Süd, Nord und West,
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Da haben wir begangen
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Der Brüder Leichenfest.

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In jenen hehren Tagen
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Hat mich, gleich milden Sagen,
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Dein liebes Bild umschwebt.
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Ich sah dein Antlitz scheinen,
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Ein leuchtendes Panier,
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Vernahm dein stilles Weinen
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Um jenes Schlachtrevier.

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Ich muß dich immer denken,
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Muß immer mich versenken
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In diesen Zaubersee.
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Ich kann dich nicht verlieren,
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Du Bild aus holder Zeit,
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Und Myrthen seh' ich zieren
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Auch noch dein Wittwenkleid.

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So muß es sich begeben,
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In diesem Erdenleben
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Blüht Schönheit aus der Qual.
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So hat es Gott erkoren,
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Der ewig treue Hirt,
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Daß nur im Weh geboren
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Ein Himmelsbürger wird.

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In Schauern sich gestalten,
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In Schmerzen sich entfalten,
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Muß jedes Lebens Keim.
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So wurden in den Tagen
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Der ersten Christenheit
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Durch Buße, Schmerz und Plagen
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Die Märtyrer geweiht.

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Und was wir jetzt erstehen
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Aus tiefer Gruft gesehen
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Im frischen Jugendglanz –
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Es war mit Schmach beladen
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Das werthe Vaterland,
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Da winkte Gott in Gnaden
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Und wählte unsre Hand.

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Ein Wunder war's zu sehen,
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Wie er im Sturmeswehen
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Durch unsre Länder fuhr,
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Und alle Herzen brannten,
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Den ersten Pfingsten gleich,
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Nicht Rast noch Ruhe kannten,
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Zu streiten für sein Reich.

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Auch du hast ihm gegeben
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Dein süßes Blütenleben
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In stiller Opferung;
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Auch deinen Namen melden
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Soll man zu Gottes Ehr',
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Von allen seinen Helden
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Gab keiner ihm wol mehr.

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Wie freundlich ist sein Wille,
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Des Trostes hat er Fülle
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Für jede Menschenbrust,
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Und was er hier muß nehmen,
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Er bringt es reichlich ein,
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Drum soll der Christen Grämen
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Noch stets voll Freude sein.

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Die weiße Himmelsrose,
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Die Mutter, der im Schooße
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Erblaßt der Heiland lag,
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Maria schaut mit Lächeln,
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Auf dich und Wilhelms Kind,
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Und ihre Engel fächeln
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Dir Tröstung kühl und lind.

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Blick' auf, du Vielbetrübte,
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Sei fröhlich, Gottgeliebte,
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Wie strahlt dein Liebesstern!
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Mit Helm und Schwert und Lanze
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Sieh' dort auf Gottes Höh'n
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Im Ueberwinderkranze
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Bei Sanct Georg ihn stehn.

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Und bis der Tag gekommen,
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Wo die getrennten Frommen
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Und aller Todten Schaar
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Laut ladet in die Schranken
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Der Engel Feldgeschrei –
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Laß loben uns und danken,
91
Das Vaterland ist frei.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max von Schenkendorf
(17831817)

* 11.12.1783 in Sowetsk, † 11.12.1817 in Koblenz

männlich

deutscher Dichter, Liedermacher und Soldat

(Aus: Wikidata.org)

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