Nun singt, von Andacht hoch durchglüht

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Max von Schenkendorf: Nun singt, von Andacht hoch durchglüht Titel entspricht 1. Vers(1800)

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Nun singt, von Andacht hoch durchglüht,
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Der Freiheit Lobgesang!
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Im Himmel und auf Erden klang
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Noch nie ein schönres Lied.
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Denn Freiheit war das Meisterwort,
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Als Gott die Geister schuf;
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O Freiheit unser Stern und Hort,
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Wir hörten auch den Ruf.

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Da brach hervor zu Gotteslust
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Was lang im Finstern schlief,
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Der Keim der Freiheit, welcher tief
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Entsproß in Menschenbrust.
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In tausend Aesten brach es aus,
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Das junge zarte Reis,
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Ein reicher voller Blütenstrauß
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Zu Gottes Ehr' und Preis.

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Sei hochgepriesen, goldne Zeit,
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O freie Hirtenwelt!
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Der strengen Männer Busen schwellt
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Nach dir ein stiller Neid.
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Doch Schöneres wird nie gesehn,
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Als wenn ein holdes Kind
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Emporschaut nach den ew'gen Höhn,
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Wenn sich der Mensch besinnt.

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Er fühlt sich Meister jedes Dings
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Und kennet sein Geschlecht,
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Er bildet sich ein heilig Recht
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Und blicket rechts und links.
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Was ihn als Ahnung fern umschwebt,
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Was schaute die Vernunft,
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Der Schöpfertrieb, der in ihm lebt,
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Stellt's dar in Haus und Zunft.

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So schaut man im Gesetz verklärt
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Vollkommner Freiheit Bild;
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Sie hat auch unser Herz erfüllt,
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Ein Kleinod hoch und werth.
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Drum achten wir im blut'gen Bann
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Das fluchbeladne Haupt,
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Den Feind, den Räuber, den Tyrann,
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Der uns die Freiheit raubt.

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Die alte Kunde schwebt herab
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In wunderbarem Glanz;
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Wir opfern diesen Eichenkranz
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Dir, o Spartanergrab;
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Wir kennen deinen schönen Brauch,
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Geliebtes Griechenland,
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Und halten unter Myrthen auch
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Am blanken Stahl die Hand.

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Der Name Brutus, der geweiht
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In Roma's Schicksal klingt,
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Mit dem die Freiheit kommt und sinkt,
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Ist uns ein theurer Eid.
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Tyrannenmörder, seid gegrüßt,
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Ihr Priester für das Recht,
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Ihr Helden, eurem Staub entsprießt
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Ein herrliches Geschlecht.

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Wir kennen auch den wackern Tell
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Und seines Bogens Kraft,
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Wir preisen seine Wissenschaft
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Vor jedem Waidgesell:
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Freiwillig hat die Jägerschaar
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Der Preußen in der Schlacht
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Ihr Blut auf heil'gem Sühnaltar
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Zum Opfer dargebracht.

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Noch einen Namen nennt man hier,
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Ein heil'ges Losungswort,
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Der scheucht allein schon Feinde fort,
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Der Deutschen Stolz und Zier,
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O Hermann, Hermann werde wach,
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Wir haben's wohl gemeint,
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Die Pleiße wie der Rodenbach
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Sah fallen Deutschlands Feind.

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Da schien das junge Himmelslicht
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Herab auf rothen Grund.
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Auf rother Erde schloß den Bund
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Das heimliche Gericht.
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So soll uns ewig heißen roth
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Dein Boden, theures Land,
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Wo man mit Schwert und Henkerstod
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Den welschen Feind verbannt.

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Und wie im alten Testament
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Der fromme Pineas
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Entbrennt in Eifer und in Haß,
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Wie Maccabäus brennt,
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Wie Flammen, d'rein der Sturmwind blies,
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Erheben wir das Schwert,
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Ein Cherub vor dem Paradies
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Stehn wir vor unserm Herd!

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Wie wir nun jetzt verschlungen stehn
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Nach einem heil'gen Brauch,
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Mag der geweihte Becher auch
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Durch unsre Reihen gehn.
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Das ist ein vaterländ'scher Wein,
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Und Jeder, welcher trinkt,
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Schwört, seiner Väter werth zu sein,
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Bis er voll Wunden sinkt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max von Schenkendorf
(17831817)

* 11.12.1783 in Sowetsk, † 11.12.1817 in Koblenz

männlich

deutscher Dichter, Liedermacher und Soldat

(Aus: Wikidata.org)

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