Das Lied vom Rhein

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Max von Schenkendorf: Das Lied vom Rhein (1800)

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Es klingt ein heller Klang,
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Ein schönes deutsches Wort
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In jedem Hochgesang
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Der deutschen Männer fort:
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Ein alter König hochgeboren,
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Dem jedes deutsche Herz geschworen –
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Wie oft sein Name wiederkehrt,
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Man hat ihn nie genug gehört.

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Das ist der heil'ge
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Ein Herrscher, reich begabt,
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Deß Name schon, wie Wein,
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Die treue Seele labt.
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Es regen sich in allen Herzen
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Viel vaterländ'sche Lust und Schmerzen,
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Wenn man das deutsche Lied beginnt
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Vom Rhein, dem hohen Felsenkind.

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Sie hatten ihm geraubt
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Der alten Würden Glanz,
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Von seinem Königshaupt
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Den grünen Rebenkranz.
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In Fesseln lag der Held geschlagen:
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Sein Zürnen und sein stolzes Klagen,
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Wir haben's manche Nacht belauscht,
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Von Geisterschauern hehr umrauscht.

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Was sang der alte Held? –
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Ein furchtbar dräuend Lied:
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»o weh' dir, schnöde Welt!
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Wo keine Freiheit blüht,
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Von Treuen los, und bar von Ehren!
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Und willst du nimmer wiederkehren,
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Mein, ach! gestorbenes Geschlecht
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Und mein gebroch'nes deutsches Recht?«

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»o meine hohe Zeit!
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Mein goldner Lebenstag!
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Als noch in Herrlichkeit
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Mein Deutschland vor mir lag.
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Und auf und ab am Ufer wallten
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Die stolzen adligen Gestalten,
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Die Helden, weit und breit geehrt
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Durch ihre Tugend und ihr Schwert!«

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»es war ein frommes Blut
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In ferner Riesenzeit
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Voll kühnem Leuenmuth,
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Und mild als eine Maid.
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Man singt es noch in späten Tagen,
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Wie den erschlug der arge Hagen,
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Was ihn zu solcher hat gelenkt,
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In meinem Bette liegt's versenkt.«

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»du Sünder! wüthe fort!
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Bald ist dein Becher voll;
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Der Niebelungen Hort
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Ersteht wol, wenn er soll.
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Es wird in dir die Seele grausen,
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Wenn meine Schrecken dich umbrausen;
55
Ich habe wohl und treu bewahrt
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Den Schatz der alten Kraft und Art!« –

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Erfüllt ist jenes Wort:
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Der König ist nun frei,
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Der Niebelungen Hort
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Ersteht und glänzet neu!
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Es sind die alten deutschen Ehren,
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Die wieder ihren Schein bewähren:
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Der Väter Zucht und Muth und Ruhm,
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Das heil'ge deutsche Kaiserthum!

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Wir huld'gen unserm Herrn,
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Wir trinken seinen Wein.
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Die Freiheit sei der Stern!
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Die Losung sei der Rhein!
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Wir wollen ihm aufs neue schwören;
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Wir müssen ihm, er uns gehören.
71
Vom Felsen kommt er frei und hehr,
72
Er fließe frei in Gottes Meer!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max von Schenkendorf
(17831817)

* 11.12.1783 in Sowetsk, † 11.12.1817 in Koblenz

männlich

deutscher Dichter, Liedermacher und Soldat

(Aus: Wikidata.org)

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