Seinem ältesten Freunde Karl Grafen von der Gröben, als er sich mit dem Fräulein Selma von Dörnberg vermählte

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Max von Schenkendorf: Seinem ältesten Freunde Karl Grafen von der Gröben, als er sich mit dem Fräulein Selma von Dörnberg vermählte (1800)

1
Uns klingt aus alten Mären
2
Viel Wunders alter Zeit,
3
Von Helden reich an Ehren
4
Und arbeivollem Streit.
5
Es dringt in Herz und Ohren
6
Die Kunde wie ein Pfeil:
7
Auch wir sind hochgeboren,
8
Zu gleicher Thaten Heil.

9
Ein Freiherr, stark im Muthe
10
Und freundlich als ein Kind,
11
Aus tapferm Hessenblute,
12
War also hochgesinnt.
13
Nicht also konnt' er's tragen,
14
Die Freiheit, meint' er, siegt,
15
Das Joch wird nun zerschlagen,
16
Das auf dem Volke liegt.

17
Vergebens war sein Mühen,
18
Die Zeit so trüb und schwer,
19
Der starke Held muß fliehen
20
Und ziehen über's Meer.
21
Zeuch hin, zeuch hin in Ehren,
22
Du frommer Pilgersmann,
23
Die Enkel wird man lehren
24
Von Dörnbergs edlem Bann.

25
Ein junger Graf aus Preußen,
26
Ein fröhlich Heldenkind,
27
Die Ketten zu zerreißen
28
Durch Tag und Nächte sinnt.
29
Er konnte nicht gewinnen
30
Der Freiheit reichen Hort,
31
Und zog im kühnen Sinnen
32
Hinauf zum fernen Nord.

33
O Heimat, reich an Freuden!
34
O Heimat, reich an Leid!
35
So klagen wol die Beiden
36
In trüber Banneszeit.
37
In England und in Schweden
38
Hört mancher tapfre Mann
39
Die freien kühnen Reden,
40
Und freut und stärkt sich dran.

41
Da leuchten Moskau's Flammen,
42
Ein freudig Morgenroth;
43
Die von Thuiskon stammen,
44
Verstehn solch Heergebot:
45
Viel süße liebe Stimmen
46
Erklingen über's Meer,
47
Die beiden Kämpfer schwimmen
48
Auf schnellen Schiffen her.

49
Wo heiße Kugeln regnen,
50
Und Blitze sprüht der Stahl,
51
Bei Lüneburg begegnen
52
Sie sich zum ersten Mal.
53
Da sprang der Edeln Kette,
54
Das war ein schöner Tag,
55
Als auf dem harten Bette
56
Der

57
Die beiden Männer grüßen
58
Sich nun mit ernstem Gruß,
59
Die beiden Herzen fließen
60
In eins, ein Heldenfluß.
61
Und schnell nach allen Seiten
62
Geht's wieder fort und fort,
63
Es galt ein muntres Streiten
64
An manchem lieben Ort.

65
Viel edle Herzen gaben
66
Sich hin dem frommen Brauch,
67
Drei Karle sind begraben,
68
Und Bruder Wilhelm auch.
69
Scharnhorst, der Stille, Treue,
70
Er fing das Opfer an,
71
Friesen, der Schöne, Freie,
72
Und mancher deutsche Mann.

73
Wer mag die Wunder nennen
74
Aus jenem großen Jahr,
75
Das gläubige Entbrennen
76
Der ganzen Völkerschaar?
77
Das klingt aus aller Herzen,
78
Es geht von Mund zu Mund,
79
Und wird in späten Schmerzen
80
Dem welschen Enkel kund.

81
Und als zum zweiten Male
82
Die falsche Babel sank,
83
Aus goldner Beuteschale
84
Der deutsche Wehrmann trank,
85
Da war auch dir beschieden,
86
Mein Graf, ein Siegespfand,
87
Es bot in Lieb' und Frieden
88
Dir Dörnbergs Kind die Hand.

89
Der Dörnberg spricht zum Gröben;
90
»das bringt uns reiche Lust!«
91
Als ob ihn Flügel höben
92
Schwillt Gröbens kühne Brust.
93
Solch Kleinod zu gewinnen,
94
Wenn das Paris bewahrt,
95
Wer möchte nicht beginnen
96
Dahin die Ritterfahrt?

97
Nicht mehr die Stadt der Blinden,
98
Wo solche Augen glühn,
99
Nicht mehr die Stadt der Sünden,
100
Wo solche Palmen blühn;
101
Sie kommen froh zusammen,
102
Paris an deinem Herd,
103
Da segnen ihre Flammen
104
So Karl als Dagobert.

105
Der Max will auch nicht säumen,
106
Und grüßet fromm die Braut,
107
Er hat sie nur in Träumen,
108
Doch wie so klar, geschaut.
109
Und wie die Becher kreisen,
110
Und wie die Fackel glüht,
111
Beginnt in alten Weisen
112
Ein wunderbares Lied.

113
Auf euch, ihr Nordlands-Grüfte,
114
Blühn Kränze frisch und grün,
115
Wir hören durch die Lüfte
116
Viel alte Klänge ziehn;
117
O Morven, deine Hallen
118
Sind alle stumm und leer!
119
Die freien Töne wallen
120
Zu jungen Helden her.

121
Send' alle deine Lieder,
122
O Selma! diesem Kind,
123
Und blickt sie weinend nieder,
124
So tröste schnell und lind.
125
Soll sie den Namen führen
126
Von dir, du Harfenklang,
127
Mußt du ihr Leben zieren
128
Mit Saiten und Gesang.

129
Des Liedes Mächte walten,
130
Die Gräber werden leer,
131
Die herrlichen Gestalten
132
Der Vorwelt ziehn einher.
133
Die Schauer müssen weichen
134
Vor solchem Lebenspfand,
135
Auf Heldengräbern reichen
136
Die Kinder sich die Hand.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Max von Schenkendorf
(17831817)

* 11.12.1783 in Sowetsk, † 11.12.1817 in Koblenz

männlich

deutscher Dichter, Liedermacher und Soldat

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.