An Heinrich Jung, genannt Stilling, zu dessen sieben und siebzigsten Geburtstage

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Max von Schenkendorf: An Heinrich Jung, genannt Stilling, zu dessen sieben und siebzigsten Geburtstage (1800)

1
Der Herbst hat seinen Thron genommen
2
Die liebe Blumenzeit verschwand,
3
Auch du bist wieder heimgekommen
4
Von Badens mildem Quellenrand.
5
So kehret jedes von der Reise
6
Und zieht in seine Heimat ein,
7
Und richtet sich auf seine Weise
8
Zum langen Winter traulich ein.

9
Nur ich muß wieder dich ergreifen,
10
Du vielgebrauchter Wanderstab,
11
Und muß mit meiner Liebe schweifen
12
In fernes Land, den Rhein hinab.
13
Wolan, die grünen Wellen bringen
14
Mir stündlich holde Grüße zu.
15
Und Wellenschlag und Lieder singen
16
Mein Herz in die gewünschte Ruh.

17
Und wie dem Wandersmann im Dunkeln,
18
In einer langen Winternacht,
19
Die Sterne Gottes tröstlich funkeln
20
In ihrer ew'gen Liebespracht,
21
Gibt
22
Zu guter Letzt zum Abschied mit,
23
Und leuchtet mir auf meinen Wegen,
24
Bei manchem schwanken Steg und Schritt.

25
Fahr' wohl, o Haus der alten Treue,
26
Fahr' wohl, du gastlich offnes Thor,
27
Ihr Lieben, täglich schaut aufs Neue,
28
Zu euern Bergen schaut empor!
29
Die Berge hab' ich oft durchzogen,
30
Wenn ich zu spät am Abend kam,
31
Dort ist so mancher Schmerz entflogen,
32
Geheilt so mancher bittre Gram.

33
Ich kann es nimmermehr vergessen,
34
Wie alles hier so freundlich war,
35
Wie ich an diesem Tisch gesessen
36
So manchen Tag und manches Jahr,
37
Wie Vater
38
Im fröhlich christlichen Gespräch,
39
Und wie die Töchter uns kredenzten,
40
Als ob das Brod

41
O du, von reinen Himmelsblüten,
42
Von ew'gen Kränzen schön umlaubt,
43
Dem sechs und siebzig Sonnen glühten,
44
Du theures, vielgeprüftes Haupt,
45
Du darfst noch lange dich nicht neigen,
46
Den Aehren gleich von Segen schwer,
47
Mußt vielen noch die Wege zeigen
48
Zum Throne Gottes stark und hehr.

49
O schau' die jüngste Stillingsblume,
50
Die deiner Tochter Kind gebar,
51
Schau' drüben in dem Heiligthume
52
Die Führerin der blüh'nden Schaar,
53
Sieh neben dir die Gattin weilen,
54
Die dich umschlang dem Epheu gleich;
55
So magst du deine Blicke theilen
56
Mit jenem und mit diesem Reich.

57
Fahr' wohl! zwar fernhin muß ich ziehen,
58
Doch bleibt mein Gastrecht unversehrt,
59
Noch lange soll die Flamme glühen
60
Auf diesem Patriarchenherd;
61
Die Engel kamen zu den Alten,
62
Zum Abraham, zum frommen Lot;
63
Mir ist, als fühlt' ich hier sie walten,
64
Fahr' wohl – und Alle grüß' euch Gott!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Max von Schenkendorf
(17831817)

* 11.12.1783 in Sowetsk, † 11.12.1817 in Koblenz

männlich

deutscher Dichter, Liedermacher und Soldat

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.