Der verwandten Seele

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Max von Schenkendorf: Der verwandten Seele (1800)

1
Komm' in den Garten, komm', es laden
2
Der Frühling und die Nacht uns ein,
3
Sie kamen von des Wests Gestaden,
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Um Zeugen unsres Glücks zu sein.

5
Die Harfe bebt von Frühlingslüften –
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Sieh, wie der Mond ins Fenster winkt!
7
Komm', daß in jenen Blumendüften
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Die Seele Himmelsahnung trinkt.

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In dem verschwiegnen Heiligthume,
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Um das die Nacht den Schleier legt,
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Entfaltet sich die stille Blume,
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Die nur für sie den Balsam trägt.

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Die Wesen trennenden Gestalten
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Zerfließen in der Dämmerung
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Und Seelen, die zusammen wallten,
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Erfreu'n sich der Vereinigung.

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Siehst du, wie dort im Sternenkreise,
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Mit stillem, liebendem Gemüth
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Der Mond auf ewig gleiche Weise
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Nach der verwandten Erde sieht?

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Der jedem Ding die Bahn gemessen,
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Der Sonnen einst an Sonnen band,
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Hat seinen Liebling nicht vergessen,
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Den Wesenkranz knüpft Gottes Hand.

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Der Hauch, in dem dem großen Geiste
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Der schaffende Gedank' entfloß,
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Von dem das alte Chaos kreiste,
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Er war's, der unsern Bund beschloß.

29
So komm' denn, du verwandte Seele,
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In der sich meine Seele schaut,
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Die mich nicht wählt, die ich nicht wähle,
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Die mir die Ewigkeit vertraut!

33
Nach
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Zerrinnen wir in
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Doch nimmer wird der Kreis vollendet,
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Der magisch um die Welt sich zieht.

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Sprich, könnten wir ein Glück genießen,
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Wenn sich nicht jedes Wesen freut,
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Und eng' uns in uns selbst verschließen
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Im Angesicht der Ewigkeit?

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Zu Göttern macht uns der Gedanke,
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Der hier durch meine Seele glänzt;
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Daß keines Raumes enge Schranke
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Das sel'ge Götterreich begrenzt.

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So laß uns denn auf unsern Pfaden
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Umher nach Bundesgliedern spähn,
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Und alle mild und freundlich laden,
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In unser Paradies zu gehn.

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So Manchen werden wir begegnen,
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Die einsam gehn den Dornengang,
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Und einst mit uns die Stunde segnen,
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In der uns diese Glut durchdrang.

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Im Mondschein werden wir sie finden,
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Im Zeichen, das uns Glück verheißt,
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Und dem verwandten Geiste künden
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Wird schnell sich der verwandte Geist.

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Wir wollen in den Bund sie schließen,
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Sie mit dem Friedenskusse weihn
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Und Brüder sie und Schwestern grüßen
60
Und der Gefundenen uns freun.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max von Schenkendorf
(17831817)

* 11.12.1783 in Sowetsk, † 11.12.1817 in Koblenz

männlich

deutscher Dichter, Liedermacher und Soldat

(Aus: Wikidata.org)

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