Sieh', drei Reiter, glänzend, prächtig

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Friederike Kempner: Sieh', drei Reiter, glänzend, prächtig Titel entspricht 1. Vers(1868)

1
Sieh', drei Reiter, glänzend, prächtig,
2
Wie sie nur im Traume!
3
Scharlachrot auf schwarzen Rossen,
4
Und mit gold'nem Zaume.

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Schwarz und golden, herrlich flimmert's
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Wie sie blitzschnell eilen.
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Funken stäuben gleich Raketen,
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Und es schwinden Meilen!

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Purpurfedern auf Baretten,
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Dolche an den Seiten,
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Schienen sie die schnelle Runde
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Um die Welt zu reiten.

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Und die Rosse, wie arabisch
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Ihre Blicke leuchten,
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Wie die glänzend schwarzen Haare
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Helle Tropfen feuchten!

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Dreimal kam die Nacht gezogen,
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Dreimal sah man's tagen,
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Und noch immer Rosseshufe
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Samt den Herzen schlagen.

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Dreimal kam die Nacht gezogen,
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Dreimal sah man's tagen,
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Und es konnten Feuerkugeln
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Sie noch nicht erjagen!

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Nächtlich sieh' im Mondenscheine
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Die drei Reiter knieen.
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Brück' und Wasser hinter ihnen
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Eine Linie ziehen.

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In dem Grenzort auf dem Berge
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Steht des Marktes Menge,
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Und Bewunderung, Staunen, Rührung,
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Wechseln im Gedränge:

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Seht ihr, seht ihr die Tscherkessen,
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Herr Gott! wie die reiten!
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Feuer sprühen ihre Blicke
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Hin nach allen Seiten!

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Sie entfloh'n aus tiefen Reußen,
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Heldenmut im Blute, –
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So tönt's in des Volks Geflüster –
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»wie den' auch zu Mute?« –

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Vor des Preuß'schen Rathaus Schwelle
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Stehet die Behörde,
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Und die Reiter, heiß und glänzend,
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Ruhen auf der Erde.

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Ihre Zeichen, ihre Mienen,
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Blicke, freudetrunken,
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Streicheln sie die prächt'gen Rosse,
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Wie im Traum versunken.

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Ihre Zeichen, ihre Mienen,
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Ihre dunklen Worte,
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Sie enträtselt halb ein Dolmetsch,
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Tief gerührt am Orte.

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»wir Cirkassien's freie Söhne
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In der Sklaven-Ferne
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Hörten rühmend eure Freiheit,
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Dienten Freien gerne!

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Durch des höchsten Gottes Fügung
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Nun auf freier Erde,
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Flehen wir zum freien Preußen,
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Daß uns Hilfe werde!

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Dreimal vier und zwanzig Stunden
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Ohne Rast geflohen,
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Bieten wir uns, uns're Schwerter
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Euch an voll Vertrauen!

65
Dreimal vier und zwanzig Stunden
66
Ohne Rast geritten,
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Wir um edle, große, deutsche
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Gastlichkeit nun bitten! –«

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Also klangen ihre Worte,
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Und mit starrem Munde
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Still vernahm des Ortes Vorstand
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Diese selt'ne Kunde.

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Selbe Nacht noch, sieh', pechfinster,
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Trotz des Vollmonds Lichte,
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Lautlos durch die tiefe Stille
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Lauschet die Geschichte.

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Horch, zwei preußische Schwadronen,
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Die Tscherkessen mitten,
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Ziehen auf dem dunklen Boden
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Hin mit festen Tritten.

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Wieder sieht man durch die Gegend
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Rosseshufe sprühen,
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Brück' und Wasser diesmal ihnen
84
Vorn die Grenze ziehen.

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Horch, da öffnet sich der Schlagbaum,
86
Und am Brückenkopfe
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Nicken durch die hohle Öffnung
88
Russen mit dem Kopfe.

89
Dumpf Gemurmel vom Kartelle,
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Freundschaft, – ungeschwächte, –
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Und man liefert unsere Helden
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An Kosakenknechte!

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Düster graut der vierte Morgen,
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Einzeln leuchten Sterne,
95
Russen bilden einen Halbkreis,
96
Wetter leuchten ferne:

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Düster flimmern die Laternen,
98
Donner westwärts grollen,
99
Von der Helden Haupt, gebücktem,
100
Große Tränen rollen:

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Niederknien alle Dreie,
102
Und vom Regimente
103
Dreimal tönt die russ'sche Salve,
104
Daß die Erde dröhnte!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friederike Kempner
(18281904)

* 25.06.1828, † 23.02.1904

weiblich, geb. Kempner

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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