Luca Signorelli

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August von Platen: Luca Signorelli (1830)

1
Die Abendstille kam herbei,
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Der Meister folgt dem allgemeinen Triebe;
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Verlassend seine Staffelei,
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Blickt er das Bild noch einmal an mit Liebe.

5
Da pocht es voll Tumult am Haus,
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Und ehe Luca fähig ist zu fragen,
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Ruft einer seiner Schüler aus:
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Dein einziger Sohn, o Meister, ist erschlagen!

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In holder Blüte sank dahin
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Der schönste Jüngling, den die Welt erblickte:
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Es war die Schönheit sein Ruin,
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Die oft in Liebeshändel ihn verstrickte.

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Vor eines Nebenbuhlers Kraft
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Sank er zu Boden, fast in unsrer Mitte;
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Ihn trägt bereits die Brüderschaft
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Zur Totenkirche, wie es heischt die Sitte.

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Und Luca spricht: O mein Geschick!
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So lebt ich denn, so strebt ich denn vergebens?
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Zunichte macht ein Augenblick
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Die ganze Folge meines reichen Lebens!

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Was half es, daß in Farb und Licht
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Als Meister ich Cortonas Volk entzückte,
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Mit meinem jüngsten Weltgericht
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Orvietos hohe Tempelhallen schmückte?

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Nicht Ruhm und nicht der Menschen Gunst
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Beschützte mich und nicht des Geistes Feuer:
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Nun ruf ich erst, geliebte Kunst,
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Nun ruf ich dich, du warst mir nie so teuer!

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Er spricht's, und seinen Schmerz verrät
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Kein andres Wort. Rasch eilt er zur Kapelle,
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Indem er noch das Malgerät
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Den Schülern reicht, und diese folgen schnelle.

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Zur Kirche tritt der Greis hinein,
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Wo seine Bilder ihm entgegentreten,
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Und bei der ewigen Lampe Schein
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Sieht er den Sohn, um den die Mönche beten.

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Nicht klagt er oder stöhnt und schreit,
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Kein Seufzer wird zum leeren Spiel des Windes,
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Er setzt sich hin und konterfeit
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Den schönen Leib des vielgeliebten Kindes.

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Und als er ihn so Zug für Zug
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Gebildet, spricht er gegen seine Knaben:
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Der Morgen graut, es ist genug,
44
Die Priester mögen meinen Sohn begraben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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