2.

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Nikolaus Lenau: 2. (1826)

1
Frühling, schönster Held auf Erden!
2
Wonniglich sind deine Kriege
3
Gegen starre Todesmächte,
4
Wie holdselig deine Siege!

5
Sieh, dort kommt ein Held, ein rauher,
6
Deinem Walde zugeritten,
7
Freudig tanzt der Staub zum Himmel
8
Über seines Rosses Tritten.

9
Heiße festlich ihn willkommen,
10
Lenz, in deinen grünen Hallen,
11
Laß ihm deine reinste Quelle
12
Huldigend zu Füßen fallen;

13
Sprenge Duft aus Blumenkelchen,
14
Rühre deine süßen Flöten
15
Und entzünde Freudenfackeln,
16
Pappeln an den Abendröten;

17
Bette Moos für seine Mannen,
18
Tränk und füttre seine Rosse;
19
Denn der Held, den du bewirtest,
20
Frühling, ist dein Stammgenosse. –

21
In die Buche holden Namen
22
Ritzte hier verliebtes Härmen,
23
Daß ihn Blütenhauche küssen
24
Und die Vöglein ihn umschwärmen;

25
Ziska will den Namen ›Freiheit‹,
26
Der sein Herz zu Taten schwellt,
27
Tief mit seinem Heldendegen
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Schneiden in das Mark der Welt.

29
Seine Brautfahrt gilt der Freiheit,
30
Rache ist die starre Rüstung,
31
Die er trägt auf seinem Gange,
32
Seine Werbung heißt Verwüstung.

33
Ziska bringt als Morgengabe
34
Seinen Leichenschatz ihr dar,
35
Hussens Schatten sei der Priester,
36
Flammen bauen den Altar.

37
Frühling, sieh, von seinem Rappen
38
Hat der Wilde sich geschwungen,
39
Und er sucht ein kurzes Schlummern
40
In des Waldes Dämmerungen.

41
Seine Krieger rings am Boden
42
Haben sich um ihn gelagert,
43
Gierig weiden schon die Rosse,
44
Müd, vom Schlachtenritt gemagert.

45
Mahlzeit halten die Hussiten
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Fröhlich in der Abendkühle,
47
Es versinken ihre Panzer
48
In des Mooses weiche Pfühle.

49
Vögel singen durch die Schatten,
50
Locken Schlummer auf die Wimpern,
51
Und melodisch säuselnd, rauschend,
52
Im Gezweig die Lüfte klimpern.

53
Ziskas Auge blicket schläfrig
54
Durchs Entspinnen eines Traumes
55
Nach dem abendroten Stamme
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Dort des alten Eichenbaumes;

57
Zweifelnd mischen Aug und Seele
58
Ihren Blick in eins zusammen:
59
Ists die Sonne? ists ein Blutstrom?
60
Steht dort eine Burg in Flammen?

61
Und womit ihm Maienlüfte
62
Überstreuen Bart und Locken,
63
Weiß er nicht mehr im Entschlummern,
64
Ob es Blüten, Aschenflocken?

65
Mann und Roß hier, schlummernd, weidend,
66
Lenz, erquicke sie und stärke
67
Sie zur heißen Heldenarbeit,
68
Zu dem blutgen Frühlingswerke.

69
Lenz, wie dich und deine Wonnen
70
Stürme zur Nachtgleiche melden,
71
Hat dein Bruder Geistesfrühling
72
Sich vorausgesandt den Helden.

73
Ziska ist erwacht; es duften,
74
Klingen rings um ihn die Schatten,
75
Gleich als wollten sie des Helden
76
Zorn in weicher Lust bestatten;

77
Doch zum Aufbruch schon gerüstet,
78
Weckt er, stoßend in sein Horn,
79
Aus des holden Lenzes Armen
80
Seine Krieger, seinen Zorn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Nikolaus Lenau
(18021850)

* 13.08.1802 in Lenauheim, † 22.08.1850 in Oberdöbling

männlich, geb. Lenau

österreichischer Schriftsteller (1802-1850)

(Aus: Wikidata.org)

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