Wieder soll zu einem Hochzeitreigen

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Nikolaus Lenau: Wieder soll zu einem Hochzeitreigen Titel entspricht 1. Vers(1826)

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Wieder soll zu einem Hochzeitreigen
2
Der Zigeuner frische Tänze geigen;
3
Zimbal, klinge hell vom Hammerschlage!
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Klarinette, schmettre ins Gelage!

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Im Husarenwams, vielfach geflickt,
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Mit verblichnem Golde reich gestickt
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Und geziert mit mottenhaftem Brame,
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Nähert Mischka sich dem Bräutigame.
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Und er spricht mit bückendem Verneigen:
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»möcht es Eurer Herrlichkeit gefallen,
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Eh die frischen Tänze hier erschallen,
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Mich zu hören erst ein Solo geigen.
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Damit möcht ich Eure Gunst erwerben;
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Habs zu Eurem Ehrentag erfunden,
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Schön ists, Herr, so herzlich tief empfunden,
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Daß vor Lust der Hörer möchte sterben.«

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»sei gewährt der Bitte«, spricht der Graf,
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Den das Auge des Zigeuners traf,
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Hell, wie eines Seelendolches Blinken,
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»spiele, sollst dafür Tokayer trinken!« –

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Stille wird der Saal, wie Miras Gruft;
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Alles hat um Mischka sich geschart,
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Und er läßt den Bogen, frisch behaart,
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Wie versuchend, sausen durch die Luft.
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Plötzlich streicht er durch die Saiten alle
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Und durch alle Herzen, schnell bemeistert;
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Seine Geige in der Freudenhalle
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Hat zur Rachegöttin sich begeistert.
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Frevler! horch! in diesem süßen Liede
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Säuselt und verweht der Unschuld Friede; –
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Hörst du, wie der Blitz der Liebe zündet?
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Wie ihr ganzes Herz in deines mündet? –
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Jener Brautnacht unermeßne Wonnen,
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Wie sie in ein Meer von Schmerz zerronnen? –
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Stürmen hörst du der Verlaßnen Klagen;
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Hörst den Wurm an ihrer Blüte nagen; –
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Horch, wie sie, zum Tod schon auf der Flucht,
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Weinend dich durch alle Wälder sucht;
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Wie sie alle Götter ruft um Hilfe,
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Bis sie tot zusammenbricht im Schilfe. –
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Furchtbar läßt der Alte deinem Lauschen
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Durch die Saiten die Vergeltung rauschen! –
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Aus dem Saal ist jede Lust gewichen,
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Dunkles Weh durch alle Herzen schlägt;
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Und nicht wissend, was sie tief bewegt,
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Hat die Braut sich weinend fortgeschlichen.

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Von der Macht gejagt des Racheschalls,
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Eilt der junge Bräutigam zu Rosse,
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Sprengt in finstrer Nacht aus seinem Schlosse,
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Stürzt und bricht im Graben sich den Hals.

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Die Zigeuner leeren ihre Neige,
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»gute Nacht!« – Früh sieht ein Hirtenknab
53
Mischka stehn an seines Kindes Grab
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Und hinein verscharren seine Geige.
55
Meisterlos zerstreut sich seine Bande,
56
Und fortan sah niemand ihn im Lande.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Nikolaus Lenau
(18021850)

* 13.08.1802 in Lenauheim, † 22.08.1850 in Oberdöbling

männlich, geb. Lenau

österreichischer Schriftsteller (1802-1850)

(Aus: Wikidata.org)

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