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Der Klausner trug die leuchtende Laterne.
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Fort war der Mond; aus finstern Wolken glommen
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Nur matt und scheu hervor die seltnen Sterne.
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Mich aber hatte plötzlich überkommen
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Die große Wehmut der Vergangenheit.
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Ich tat dem Alten schweigend und beklommen
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Durch seinen dunklen Garten das Geleit.
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Ich dachte traurig an so manches Grab,
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Und allen Toten war mein Herz geweiht.
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Auch die Natur, die nächtlich stille, gab
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Gedankenvoller Wehmut sich zu eigen;
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Nach dem Gewitter tropft' es noch herab
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Wie weinendes Erinnern von den Zweigen.
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So mochten wir wohl eine Stunde ziehn
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Durch Fels und Wald mit ungebrochnem Schweigen.
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Wir sahn die Wolken kommen und entfliehn,
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Den Mond verhüllen bald und wiedergeben.
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Drauf wies der Alte sinnig deutend hin,
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Und endlich sprach er: »Dort am Fels erheben
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Die Mauern sich vom alten Grafenschloß;
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Dort wollen wir den Rest der Nacht verleben!«
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Und schneller schritt mein leitender Genoß
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Den Bergpfad mir voran im Mondenscheine,
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Der wie versöhnend die Ruin umfloß.
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»hier«, – fuhr der Alte fort – »an diesem Steine,
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Hier saß Maria, ich vergeß es nimmer,
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Die schöne Jungfrau noch, die himmlisch reine,
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Umspielt vom linden West, vom Abendschimmer.
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Hier stand vor ihr der falsche Bösewicht,
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Der lächelnd sie zerbrach in kalte Trümmer.
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O Maienluft! o helles Abendlicht!
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Warum habt ihr das arme Kind verraten,
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Da ihr geschmeichelt um ihr Angesicht,
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Daß ihre tiefsten Blicke auf sich taten,
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Daß ihre Reize all, von euch betrogen,
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Unselig siegreich auf die Wange traten!
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Wie heiß Lorenzos Blicke sie umflogen!
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Und, schwelgend in der Blüte vollem Prangen,
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Den holden Reichtum trunkenhaft erwogen!
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Wie zauberisch Lorenzos Lippen klangen!
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Bald süß und weich die weltgeschliffnen Worte,
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Bald kühn und kräftig auf den Hörer drangen,
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Womit er leicht ein junges Herz durchbohrte!
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Den Vater auch bezwang der Rede Kraft
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Und brach zu seiner Gunst die letzte Pforte.
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Mir ward Robertos Schloß zur Kerkerhaft;
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Ich stieg zu Roß in selber Nacht und sprengte
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Von dannen schnell mit meiner Leidenschaft.
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Doch ob ich auch mich in die Schlachten mengte,
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Ich konnte nicht die Glut im Herzen mildern,
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Die heimlich und unlöschbar mich versengte.
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Lang kämpft ich mit des Zweifels schwanken Bildern,
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Bis aus der Heimat mir ein Bote kam,
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Die traurige Gewißheit mir zu schildern:
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Wie der Verführer frech und ohne Scham
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Gar bald die Eide brach, die er geschworen:
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Lorenzo floh; Maria starb vor Gram.
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Wie bitter schwer Roberto sie verloren,
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Und wie in ihm der Liebe letzter Funken
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An seines Kindes kalter Leich erfroren;
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Und wie sein Blick, ins tote Kind versunken,
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Und sich mit wilder Rache voll getrunken.
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Die Nacht des Wahnsinns schlug sich um sein Haupt;
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Sie trieb ihn fort und fort nach allen Winden
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Rastlos, wie durch den Wald der Jäger schnaubt.
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Doch sah er stets die blutge Hoffnung schwinden;
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Durch Land und Meer trieb ihn der Rache Qual,
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Er konnte nicht die Spur Lorenzos finden.
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Da fuhr ihm plötzlich, wie ein Wetterstrahl,
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Prophetisch durch der Seele Finsternis
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Die Sehnsucht nach dem fernen Felsental;
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Und was ihn erst in alle Fernen riß,
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Nun zwang es ihn zurück in diese Räume,
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Als wäre hier sein Opfer ihm gewiß.
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Hier träumt' er immer wilder seine Träume,
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Die rings umher getreue Freunde hatten:
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Ruinen, Gräber, finstre Tannenbäume.
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Wie auf der Wüste, dürr und ohne Schatten,
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Wenn sie den Tag um dunkle Nacht vertauscht,
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Der Wandrer sinkt in durstendem Ermatten,
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Einschläft und träumt, daß ihm die Quelle rauscht;
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Vom Sand empor dann fährt der Frohbetörte,
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Und in die Nacht, die dunkle, stille, lauscht:
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So wars Robert, wenns ihn vom Schlaf empörte,
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Als ob er aus Lorenzos Busen noch
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Die heißersehnte Quelle rieseln hörte.
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Wenn dann das schwarze Traumbild sich verkroch,
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Wie glühend quält' es ihn, zu hören nur
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Des eignen Herzens einsames Gepoch!
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Oft wenn er so empor vom Lager fuhr,
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Erweckt' er seine alten treuen Knechte
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Und schwor mit ihnen seinen Racheschwur.
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Auch trieb er oft mit ihnen lange Nächte
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Ein närrisch Puppenspiel, worein er trug
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Wahrheit und Traum in grausigem Geflechte.
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Die Puppen mußten spielen Zug für Zug
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Viel längstvergangne traurige Geschichten,
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Nachtappen seinem wilden Geistesflug;
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Doch immer war das Spiel ein Klagen, Richten:
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Unheimlich kindisch war des Alten Drang,
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Auch nur im Bild Lorenzo zu vernichten.
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So lebte Robert manche Jahre lang;
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Von allen Wandrern, die das Tal betreten,
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Tat keiner nach dem Schlosse mehr den Gang.
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Doch kam ein Abend: Maienlüfte wehten,
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Es ruhte auf dem alten Schloßgestein
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Der Strahl, wie einst, mit rötlichem Verspäten.
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Roberto saß betrübt im Abendschein,
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Und sinnend sank das Haupt ihm, das ergraute,
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Und hüllte ins Vergangne ganz sich ein.
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Wie er nun klar sein Kind Maria schaute,
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Und wie sein starrer Blick leibhaft vor sich
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Das Bild Lorenzos in die Dämmrung baute:
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Da schallten Tritte und – sein Traum entwich –
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Ein junger Mann nun plötzlich vor ihm stand,
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Der wunderbar genau Lorenzo glich.
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Es war Lorenzos Sohn. Aus fernem Land
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War er gefolgt dem dunklen Trieb zu reisen,
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Bis sich sein Pfad in diese Täler wand
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Und ihn mit Lockungen, mit holden, leisen,
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Verführte schlangenhaft in diese Schluchten,
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Nach des Verhängnisses geheimen Kreisen.
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›halloh! nun endlich hab ich dich, Verfluchten!‹
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So rief Robert, sprang auf und hielt ihn fest;
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›gelüstet dich nach meinem Kind, Verruchten?
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Stahlst du nicht frevelnd mir den letzten Rest?
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Lorenzo, hab für dich kein Opfer mehr!
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Maria ist von deinem Kuß verwest!‹
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Und riesenkräftig schleift er ihn einher.
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Was ihm an Kraft geschwunden mit den Jahren,
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Beschwor die Wut zu schneller Wiederkehr.
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Mit Flammenaugen, weißen Flatterhaaren,
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Ist er mit ihm zu jenes Turmes Türe,
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Ein Rachedämon, brausend hingefahren.
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Umsonst beteuerten Antonios Schwüre,
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Es sei Lorenzos vorwurfsloser Sohn,
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Um den er seine Eisenkette schnüre;
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Und seiner Knechte Wort klang ihm wie Hohn,
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Daß welk und grau ja längst Lorenzo sei,
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Da dreißig Jahre schon nach ihm entflohn.
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Dem Wahnsinn war das Alte nicht vorbei:
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Lorenzos Züge waren mit den Zeiten
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Gealtert nicht in seiner Phantasei.
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Und in des Turmes finstern Einsamkeiten,
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War nun Antonios schrecklich Los, zu schmachten,
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Zu hören stets die Todesstunde schreiten.
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Roberto säumte noch ihn hinzuschlachten:
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›bis seinen Lauf der bleiche Mond vollendet,
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Soll dich die feste Kerkerwand umnachten.
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Die Frist sei dir Verbrecher noch gespendet,
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Und in die Ferne ward ein Brief gesendet.
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Lorenzo ahnte nicht des Schicksals Nähe.
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Schon war verschlummert seine Jugendsünde,
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Sein Herz erwarmet in beglückter Ehe:
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Da kam das Schreckensblatt von seinem Kinde;
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Da brach er auf und flog mit Sturmeseile,
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Daß er Antonio noch lebendig finde,
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Daß er des Wahnsinns blutgen Irrtum heile
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Und das schuldlose Opfer schnell erlöse;
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Wo nicht, den Tod mit seinem Sohne teile.
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Wohl mahnte laut sein Herz ihn an das Böse
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Der Jugendschuld, als er dem Schloß genaht,
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Mit des Gewissens hämmerndem Getöse;
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Wohl trieb er seinen Witz nach klugem Rat,
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Wie er den Sohn entreiße der Gefahr
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Und selber nicht bezahle seine Tat.
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Ihm folgte schützend eine Waffenschar
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Zum Schlosse, das ihm schon entgegendrohte,
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Rauh, wie der Rache türmender Altar.
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Durch Nebel taucht' empor das blutigrote
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Antlitz des Mondes am bewegten Himmel,
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Der schreckensvollen Nacht ein ernster Bote.
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Der Wolken trübweissagendes Gewimmel
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Flog unstet übers Tal, die Winde trugen
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Herüber fernen Donners dumpf Getümmel:
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Als an das Grafenschloß die Wandrer schlugen
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Und bald darauf das Tor, das langentwöhnte,
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Einlaß gewährend knarrt in seinen Fugen.
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Ihr scheuer Tritt im öden Burghof tönte,
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Wo alles einsam, still und finster lag,
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Durchs hohe Gras allein der Windhauch stöhnte.
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Die Waffenknechte lauschten stumm und zag;
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Lorenzo hört des Busens alten Wächter
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Stets lauter mit erinnrungsvollem Schlag,
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Und ihn ergriff, wie die gedungnen Fechter,
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Ein Grauen: plötzlich aus des Schlosses Tiefen
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Schnitt durch die Nacht ein höhnisches Gelächter
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Dann todesstill; – dann wirre Stimmen riefen.
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Schon sah Lorenzo, dem der Mut zerbrach,
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Die Nacht vom Blute seines Kindes triefen.
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Und zaudernd schritten sie dem Laute nach,
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Und über Treppen, dunkle Hallengänge,
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Betraten sie ein dämmerndes Gemach.
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Hier sahn sie das phantastische Gepränge
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Der wunderlichen Marionettenbühne;
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Hier lernten sie verstehn die krausen Klänge.
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Soeben eifert der wahnwitzig kühne
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Poet, daß er auch strafe die Betörung
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An seinem Helden und das Schicksal sühne:
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Und mit den Worten innigster Empörung
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Empfing den Todesstreich Lorenzos Puppe.
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Jetzt fuhr der Alte auf, entzückt der Störung:
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›ihr Herren, wie behagt euch diese Gruppe?
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Soll wiederholet werden euch zu Ehren
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Von meinem tüchtigsten Schauspielertruppe!
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Ich kenn euch wohl und euer heiß Begehren:
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Doch wollet nur indes Gedulden tragen
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Und lustig erst den Willkommsbecher leeren!‹
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Der Vorhang fiel; doch wollte nicht behagen
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Der Becher, den Robertos Knechte reichten,
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Bis wieder ward der Vorhang aufgeschlagen.
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Bei einer Dämmerlampe trübem Leuchten
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Begannen ihren Tanz die Marionetten;
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Doch schrecklich, daß die Gäste dran erbleichten,
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Denn plötzlich schauten sie, geschleift an Ketten,
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Verhöhnt von Roberts tragischem Sermon,
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Mit plumpem Tritt – Antonios Leiche treten.
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Lorenzo starb vor Schreck an seinem Sohn;
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Die Knechte hüllten schreiend ihr Gesicht,
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Und mit Entsetzen stürzten sie davon.« –
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So weit des Klausners nächtlicher Bericht.
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Und ich erwacht an eines Baches Rand,
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Als durch die Felsen drang das Morgenlicht,
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Nachsinnend, wo der Eremit verschwand;
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Ob Wahrheit, was nun meine Sinne mied,
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Ob eines bösen Traumes wilder Tand? –
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Und als ich aus dem Klippentale schied,
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Sah wieder ich des Lammes Wolle beben
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Am Strauche, den die Sonne ewig flieht,
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Im Hintergrund den stillen Geier schweben.