Meeresstille

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Nikolaus Lenau: Meeresstille (1832)

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Stille! – jedes Lüftchen schweiget,
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Jede Welle sank in Ruh,
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Und die matte Sonne neiget
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Sich dem Untergange zu.

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Ob die Wolke ihn belüde
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Allzutrübe, allzuschwer,
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Leget sich der Himmel, müde,
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Nieder auf das weiche Meer.

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Und vergessend seiner Bahnen,
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Seines Zieles, noch so weit!
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Ruht das Schiff mit schlaffen Fahnen
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In der tiefen Einsamkeit.

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Daß den Weg ein Vogel nähme,
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Meinem Aug ein holder Fund!
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Daß doch nur ein Fischlein käme,
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Fröhlich tauchend aus dem Grund!

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Doch kein Fisch, der sich erhübe,
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Und kein Vogel kommen will.
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Ist es unten auch so trübe?
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Ist es unten auch so still? –

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Wie mich oft in grünen Hainen
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Überrascht' ein dunkles Weh,
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Muß ich nun auch plötzlich weinen,
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Weiß nicht wie? – hier auf der See.

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Trägt Natur auf allen Wegen
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Einen großen, ewgen Schmerz,
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Den sie mir als Muttersegen
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Heimlich strömet in das Herz?

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O, dann ist es keine Lüge,
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Daß im Schoß der Wellennacht
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In verborgener Genüge
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Ein Geschlecht von Menschen wacht.

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Dort auch darf der Freund nicht fehlen,
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Wie im hellen Sonnentag,
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Dem Natur ihr Leid erzählen,
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Der mit ihr empfinden mag.

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Doch geheim ist seine Stelle
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Und Geheimnis, was er fühlt,
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Dem die Tränen an der Quelle
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Schon das Meer von dannen spült.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Nikolaus Lenau
(18021850)

* 13.08.1802 in Lenauheim, † 22.08.1850 in Oberdöbling

männlich, geb. Lenau

österreichischer Schriftsteller (1802-1850)

(Aus: Wikidata.org)

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