An einen Jugendfreund

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Nikolaus Lenau: An einen Jugendfreund (1827)

1
Des Lebens holder Zauber ging vorüber.
2
Ich klage, daß die Jugend mir verloren;
3
Doch eines macht mir noch die Klage trüber:
4
Die Treue brach, die du mir einst geschworen.
5
Nicht meint ich, daß vor uns das teure Erbe
6
Verblichner Jugend – ihre Freundschaft sterbe.

7
Du eiltest im Vergessen! ungeduldig
8
Warfst du dem Tod aus deiner Brust entgegen,
9
Was du nur allzubald dem herben schuldig,
10
Wenns einmal aus ist mit des Herzens Schlägen.
11
Nicht wolltest du die Treu im Busen halten
12
Bis an der Gruft gebieterisch Erkalten.

13
Wenn du tief schlummerst unter deinem Hügel,
14
Nichts mehr erfährst vom holden Lenzerwachen,
15
Wie laue Winde dann mit leichtem Flügel
16
Die Rosenglut am Strauch lebendig fachen,
17
Wie süß dann singen in den grünen Hallen
18
Von Rosenduft berauschte Nachtigallen:

19
Dann wäre früh genug der Freund vergessen,
20
Den du geliebt in deinen Jugendtagen,
21
Des volles Herz gleich glühend, unermessen,
22
Dem Jugendideal und dir geschlagen.
23
Er hielt den Traum umarmet und dein Lieben,
24
Und beides sah er märchenhaft zerstieben.

25
Gleichwie Nachtlüfte wehn in Blütenhagen,
26
Wehmütig säuseln, doch kein Blatt entführen;
27
Wie Nachtigallen durch Gebüsche klagen,
28
Doch keine Rose je zu Tode rühren:
29
So sollte dieses Lied mit seinem Trauern
30
Durch deine reiche Freudenblüte schauern.

31
Jedoch umsonst, daß ich dem Lied geböte,
32
Es will nicht ahmen leiser Lüfte Zittern
33
Und nicht im Hain das klagende Geflöte;
34
Sein rauher Klang will deine Freude schüttern.
35
Hat doch der Frost, der mir von dir gekommen,
36
Von meinem Herbstgrün auch viel fortgenommen.

37
Das muß die sanften Klagetöne schärfen,
38
Seh ich den Freund, mir einst vor allen teuer,
39
Mein Herz in frohem Übermut verwerfen;
40
Und zünden muß des Stolzes zürnend Feuer.
41
Dies Herz war oft von Gottes Flammen helle,
42
Nicht der Verwerfung Staub ist seine Stelle.

43
Ich kann es meiner Klage nicht verwehren,
44
Daß sie dich führe längstverlaßne Pfade,
45
Und daß sie dich, vielleicht auch deine Zähren,
46
Zu einem trüben Abschiedsfeste lade;
47
Denn unsre Freundschaft will ich nun bestatten
48
Auf ewig in der Wehmut tiefern Schatten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Nikolaus Lenau
(18021850)

* 13.08.1802 in Lenauheim, † 22.08.1850 in Oberdöbling

männlich, geb. Lenau

österreichischer Schriftsteller (1802-1850)

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.