Blindes Menschenkind

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Ernst Moritz Arndt: Blindes Menschenkind (1814)

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O krankes, blindes Menschenkind,
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Wie wehet dich des Tages Wind
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Ein steuerloses Schiff im Meer
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Auf wilden Wogen hin und her!

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Vom bunten Schein, der immer log,
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Verlockt, du wähnst dich himmelhoch
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Und weißt mit aller Kunst und List
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Doch nimmer, was und wo du bist.

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O sei, o werde wieder dein!
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Und gleich wird dir gesunder sein;
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O kehre bei dir selbst doch ein!
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Da leuchtet dir der rechte Schein.

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Den Schlüssel nimm der linken Brust;
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Da liegt dein Schatz von Mut und Lust,
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Da schließt dein Glück sich auf und zu:
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Das ist dein Selbst, ja das bist du.

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Da tief geheim liegt der Magnet,
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Der ewig unverrücklich steht,
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Der Hauch, gehaucht vom höchsten Geist,
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Der ewig hin zum Himmel weist.

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Das ist dein Evangelienbuch,
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Das spricht zu dir wie Gottes Spruch,
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Dein Angeld auf Unsterblichkeit,
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Anweisung auf die Ewigkeit.

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Das ist der Gottesstrahl und Blitz,
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Zermalmend Trug und Lügenblitz,
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Der Freudenschein und Schreckenschein,
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Der zündend schlägt durch Mark und Bein.

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Wo diese heil'ge Flamme brennt,
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Da brennt das Licht, das Gott erkennt,
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Die Heldenkraft, die Männerkraft,
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Die Welten denkt und Welten schafft.

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Da bete an, da kniee hin,
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Da stähle frisch dir Herz und Sinn
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Und schau' und sieh, ob dein Magnet
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Zu seinem Nordpol richtig steht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Moritz Arndt
(17691860)

* 26.01.1769 in Groß Schoritz, † 29.01.1860 in Bonn

männlich, geb. Arndt

deutscher Historiker, Publizist und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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