Zu Martin Luthers 300jähriger Todesfeier

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ernst Moritz Arndt: Zu Martin Luthers 300jähriger Todesfeier (1814)

1
Ihr wagt's, die Toten aufzuwecken?
2
O laßt den alten Luther ruhn!
3
Erbebt ihr nicht den blassen Schrecken
4
Des Donnerkinds für euer Tun?
5
Dreihundert Jahr hat er geschlafen –
6
Seid ihr die Reinen, Freien, Braven,
7
Die seiner Klinge Blitz bestehn?

8
Denn Blitz führt seines Wortes Klinge –
9
Hui! Turm und Mauer, Wall und Burg!
10
Hui! Feinster Listen Kettenringe
11
Er stürmt und bricht und haut sie durch. –
12
Doch horch'! Wie? Naht sein Waffenklirren?
13
Es lispelt nicht wie Taubengirren –
14
In Säuseln kommt der Donner nicht.

15
»wie,« ruft er, »zaubert aus dem Grabe
16
Prophetenstimmen ihr herauf?
17
Längst trug ich meiner Arbeit Habe
18
Zu meinem Gott und Christ hinauf.
19
Laßt Tote modern bei den Toten!
20
Zu höchsten Sternen sendet Boten,
21
Da fragt der Zukunft Donnerlaut.

22
Denn Donnerglocken könnt' ich läuten,
23
Worob Gesicht und Ohr vergehn,
24
So nahe ferne Zeichen deuten,
25
Mit solchem Grausen euch durchwehn,
26
Daß ihr im Zittern und Verzagen
27
Mit euren Klagen, euren Fragen
28
Verstummtet vor dem Schreckenklang.

29
Denn wohl könnt' ich zuerst euch fragen,
30
Wie ihr das Erbe angewandt,
31
Das einst in Sorgen, Kämpfen, Plagen
32
Ich euch errang mit starker Hand,
33
Das Erb' und Recht des tapfern Wortes;
34
Ob ihr des goldnen Freiheitshortes
35
Die kühnen, wachen Wächter seid;

36
Ob von Innozenzen und Gregoren,
37
Von Loyolas Assassinenschwarm,
38
Von Rittern von den goldnen Sporen
39
Euch keiner bog den deutschen Arm,
40
Ob welschen Schleichern, Spähern, Schranzen
41
Ihr hieltet vor die rechten Lanzen
42
Für Gott und Recht und Vaterland.

43
Denn wohl zum zweiten könnt' ich fragen,
44
Ob Menschenwitz und Satanslist
45
Mit leersten Künsten nicht sich schlagen
46
Um meinen Glauben, meinen Christ,
47
Ob ihr in guten, frohen Dingen
48
Noch könnt mit mir von Herzen singen:
49

50
Jawohl zum ersten, zweiten, dritten –
51
Ich hauche weg wie Wind die Spreu,
52
Was ihr gelitten, was gestritten,
53
War's nicht um, für und durch die Treu',
54
Denn fallt ihr hier der scharfen Frage,
55
So wird zum Märchen gar die Sage,

56
Doch schon zuviel der strengen Worte,
57
Es ziemt der Zorn dem Feste nicht.«
58
Er schweigt; ausgießt die Himmelspforte
59
Den hellsten, vollsten Strom von Licht.
60
So fährt der alte, tapfre Meister
61
In Licht und Blitz ins Reich der Geister
62
Zu seinem Gott und Christ zurück.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ernst Moritz Arndt
(17691860)

* 26.01.1769 in Groß Schoritz, † 29.01.1860 in Bonn

männlich, geb. Arndt

deutscher Historiker, Publizist und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.