Lehre an mich

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Ernst Moritz Arndt: Lehre an mich (1814)

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Auf! Lege deiner Jugend Harnisch an!
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Und schnalle um auch deine Rittersporen!
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Was Glück? Sein Rädlein rollet ab und an;
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Was Ruhm? Ein dunst'ges Gaukelbild für Toren.
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Was bunter Tand, wonach die Menge greift?
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Was Gold und Glanz und Titelklang und Orden?
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Du greife das, was nicht wie Zufall schweift,
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Du halte fest, was kein Tyrann kann morden.

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Was du in strenger Arbeit dir erwarbst,
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Was du im schweren Kampfe dir errungen,
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Wodurch du reich sein wirst, auch wenn du darbst,
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Und siegreich, wenn dich auch Gewalt bezwungen –
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Das zarte Unsichtbare such' hervor,
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Das dünne Fünkchen aus der Götterflamme,
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Und jauchze: Zittre, Bube! Zittre, Tor!
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Dies ist's, wodurch ich dir dein Nichts verdamme.

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Dies ist's, worauf die ganze Erdenlast,
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Wirfst du sie drauf, nur liegt und nimmer drücket,
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Das Unsichtbare, was Gewalt nicht faßt,
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Und, faßte sie's, nicht von der Stelle rücket,
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Das Starke, was den bittern Feind, den Tod,
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Mit allen seinen Schrecken selbst mag töten,
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Das Frohe, was mit hellem Morgenrot
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Des Unglücks dickste Wetternacht mag röten.

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Dies nimm dir! Ruf auch die Gesellen auf,
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Gespielen und Genossen tapfrer Jugend,
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Die in der ernsten Arbeit dir den Lauf
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Gestrecket auf der heißen Bahn der Tugend:
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Durch das, was zornig schon den Knaben riß
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Hinweg vom Tand, wonach's die vielen lüstet;
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Steh nun als Mann im Sturm und Streit gewiß,
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Auf! Waffne deine Schar und sei gerüstet!

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O sieh! Schon steht dein tapfrer Wappenknecht,
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Der edle Stolz, und zucket mit dem Eisen;
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Drei Helfer sitzen auf, der Mut, das Recht,
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Das Licht – sie wollen sich die Alten weisen;
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Die Wahrheit trägt das leuchtende Panier,
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Die Hoffnung schwingt die fliegende Standarte;
39
Auch unsichtbare Kämpfer folgen dir;
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Gebet und Wunsch sind Hüter auf der Warte.

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Mit solchen mutig drein auf Sieg und Tod!
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Es gilt, was Freien ziemlich sei, was Knechten;
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Nur einen Jammer gibt's, nur eine Not,
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Für nichts und schlimmer gar für Frevel fechten.
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Hinein mit Gott! Dein kleines Schicksal rollt
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Aus seiner Hand mit Millionen Losen.
47
Das glaube – fest geschieht, was er gewollt –
48
Und glaubst du recht, so werden Nesseln Rosen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Moritz Arndt
(17691860)

* 26.01.1769 in Groß Schoritz, † 29.01.1860 in Bonn

männlich, geb. Arndt

deutscher Historiker, Publizist und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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