Des Reisenden Abendlied

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Ernst Moritz Arndt: Des Reisenden Abendlied (1814)

1
Gegangen ist das Sonnenlicht,
2
Still schweiget Feld und Hain,
3
Und hell am Firmamente bricht
4
Hervor der Sterne Schein,
5
Und hell aus stiller Seele blitzt
6
Ein wundersamer Strahl
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Von dem, der ewig waltend sitzt
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Im hohen Himmelssaal.

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Wie wäre doch das Menschenkind
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So elend, so allein,
11
Wenn nicht von oben zart und lind
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Ihm käme dieser Schein?
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Es wäre nichts als Trug und Wahn,
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Ein zitternd Blatt am Baum,
15
Ein Körnlein Sand im Ozean,
16
Ein Traumbild fast vom Traum.

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Das Leben wallt von Ort zu Ort,
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Hat nimmer Ruh' noch Rast
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Und treibt im wilden Fluge fort,
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Geschnellt durch eigne Last;
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Es brauset wie ein schäumend Meer,
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Das keine Ufer kennt,
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Und wirft uns Tropfen hin und her
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Im wilden Element.

25
Drum komm, o du, der Frieden bringt,
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O Gott, in stiller Nacht,
27
Wo hell die Engelglocke klingt
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Bei goldner Sterne Pracht –
29
Komm, wirf den frommen Liebesstrahl
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Mir warm ins arme Herz,
31
Und die Gedanken allzumal,
32
O zieh sie himmelwärts!

33
Drum komm mit deinem Engelheer,
34
Du Vater lieb und gut!
35
Du bist die einzig feste Wehr,
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Die einzig sichre Hut;
37
Gar nichtig ist der Menschen Macht,
38
Die eitle Eitelkeit:
39
Was Gott bewacht, ist wohl bewacht
40
Hier und in Ewigkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Moritz Arndt
(17691860)

* 26.01.1769 in Groß Schoritz, † 29.01.1860 in Bonn

männlich, geb. Arndt

deutscher Historiker, Publizist und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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