Die Lerche

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Ernst Moritz Arndt: Die Lerche (1814)

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Als man das achte Jahr zu Achtzehnhundert nach Christi
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Unsers Herrn Geburt zählte, zur Zeit, wo der Klang
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Geht der Sicheln ins Feld, da lag ich einsamen Schlummers
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Fern in dem Lande, wo Jo klinget zugleich mit dem Ja.
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Da ward öfters der Fremdling besucht von Träumen von jenseits
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Her des Wassers, von dem, was über Land, über Meer
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Trägt der Ruf, und von dem, was Liebe innigst im Herzen
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Von den Geliebten so süß, süßer vom Vaterland spinnt.
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Einst als der Mond mit dem lieblichen Strahl schon bleicher und tiefer
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Funkelte, schon ein Stern hinter dem andern erlosch,
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Schlug es mit rauschenden Flügeln fast hart ans Fenster und rief mir:
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»mache gleich auf, es ist kalt, auch ist der Falke nicht weit.«
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Ich aus dem Bett und öffne das Fenster, da flattert ein Vöglein
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Schwirrend mir dicht in den Schoß, zitternd und wimmernd und naß.
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Und ich beschaue das Vöglein mir, da ist es die Lerche,
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Und ich denke bei mir: Vöglein, wo flatterst du her?
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Und es sieht so bedeutend mich an, halb menschlichen Blickes,
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Spricht dann:»Kennst du mich nicht? Kennst du den Vater nicht mehr?
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Habe mich auch recht lieb und hege mich warm in dem Busen;
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Fern ist der Weg, den ich flog, fern, den ich fliegen noch muß.«
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Und es fiel mir aufs Herz, es schossen mir schwere Gedanken
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Hin durch die Seele, und heiß floß aus den Augen ein Strom.
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Wimmerndes Vöglein, du kamst ein Bote der Sehnsucht und Treue:
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Also findet der Geist Boten der Liebe dem Geist;
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Denn mein Vater verließ die irdische Heimat und grüßte,
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Wandelnd die himmlische Fahrt, noch den Entfernten durch dich.
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O er war dir ja gleich an fröhlichen Liedern und Freuden,
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Liebte das glückliche Land, liebte die Felder wie du.
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Heil dir, Herold des Himmels, und Heil dem frommen Geschlechte,
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Das in den Furchen sein Nest baut und die Wiesen bewohnt!
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Friede soll ewig bestehn den spätesten Enkeln von beiden,
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Und es erlahme die Hand meines Geschlechts, die den Tod
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Schickt auf die Deinen mit Blei und Schlingen stellet und Netze,
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Oder mit diebischer Lust fährt auf die piepende Brut!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Moritz Arndt
(17691860)

* 26.01.1769 in Groß Schoritz, † 29.01.1860 in Bonn

männlich, geb. Arndt

deutscher Historiker, Publizist und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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