14.

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Ernst Moritz Arndt: 14. (1814)

1
Traum der fliehenden Minuten,
2
Wie auf Fluten
3
Mondenschimmer wechselnd bebt,
4
Wie auf grünen Sommermatten
5
Licht und Schatten
6
Flüchtig durch einander schwebt –

7
Also stürzt des Lebens Welle,
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Nacht und Helle
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Wechselnd sich ins eigne Grab,
10
Und das Liebste, was wir hatten,
11
Flieht als Schatten
12
Mit zur Schattenwelt hinab.

13
Stolzer Mensch, was ist dein Eigen?
14
Wie ein Reigen
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Lieblich, aber kurz verklingt,
16
So verklingt der Jugend Schöne,
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Deren Töne
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Nur die Wehmutsglocke ringt.

19
Was ist Liebe? Süßes Sehnen,
20
Banges Wähnen,
21
Recht des eitlen Traumes Traum.
22
Die unsterblichen Gewalten
23
Willst du halten,
24
Und du hältst dich selber kaum.

25
Was ist Schwur und feste Treue?
26
Wolkenbläue
27
Wechselt nicht wie Menschenwort;
28
Und du nimmst, was auf dem Sande
29
Steht, zum Pfande?
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Doch wie Sand so fließt es fort.

31
Das Unendliche ergründen
32
Willst du, finden,
33
Was die Weltenräder treibt?
34
Weise hab' ich viel vernommen,
35
Doch beklommen
36
Lernt' ich, daß es Rätsel bleibt.

37
Deine Kunst, dein eitles Wissen
38
Teufelskissen
39
Ist es leerer Eitelkeit;
40
Dennoch weckst du Dunst aus Dünsten,
41
Mit Gespinsten
42
Webst du golden dir dein Leid.

43
Auf! aus Nacht der Eitelkeiten
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In die weiten
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Welten, leuchtend über dir!
46
Aus des Lebens reinen Quellen
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Trinke hellen
48
Himmelsgeist und Wonne dir!

49
Trinke heitern Geist der Wahrheit!
50
Und in Klarheit
51
Wird die Täuschung vor dir stehn;
52
Weinen wirst du bittre Tränen,
53
Doch dein Sehnen
54
Wird durch alle Himmel gehn.

55
Und von Gottes goldnen Kerzen
56
Zünd' im Herzen
57
Sich die Flamme keusch und rein,
58
Die unsterblich Leben fodert,
59
Aufwärts lodert
60
Durch der Erde Nebelschein.

61
Auf! mit stolzem Angesichte
62
Zu dem Lichte!
63
Zu dem Lichte alles Lichts,
64
Wo die tausend Sonnen brennen!
65
Lern' erkennen:
66
Gott ist alles, du bist nichts.

67
Und vom finstern Erdenstaube
68
Schwingt der Glaube
69
Rettend deine Seele auf,
70
Erde sinkt und Erdgewimmel,
71
Und der Himmel
72
Tut sich der erlösten auf.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Moritz Arndt
(17691860)

* 26.01.1769 in Groß Schoritz, † 29.01.1860 in Bonn

männlich, geb. Arndt

deutscher Historiker, Publizist und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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