Blätter wehen vom Baum, laut rauschet stürmender Regen

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Ernst Moritz Arndt: Blätter wehen vom Baum, laut rauschet stürmender Regen Titel entspricht 1. Vers(1814)

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Blätter wehen vom Baum, laut rauschet stürmender Regen
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Auf die welken; sie fliehn mit ihm schwimmend hinab,
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Mit ihm schwimmend zum Strom; fern trägt der starke zum Weltmeer,
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Die im lustigen Grün säuselten Liebenden einst,
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Die des Vögeleins Nest in stille Schatten geborgen,
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Die des Vögeleins Lied weckten im spielenden Reiz.
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Herbst, wie lehnst du dich ernst auf deine trauernde Urne!
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Wie erweckest du neu, was in dem Busen schon schlief!
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Scheint das fröhliche Leben nur grün im Spiegel des Todes?
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Zeiget, was nichts ist, nur, was so lieblich einst war?
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Stirbt in dem Leben selbst des Lebens schönstes Gedächtnis?
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Gehn aus Verwesung allein Götter und Manen empor?
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Süße Liebe, du klingst mit den Schwanenflügeln des Lenzes
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Jugendlich hell um das Ohr, lange des Klanges entwöhnt?
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Süße Liebe, du schlingst noch unverwelkliche Rosen
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Jugendlich frisch um die Stirn, welche die Trauer umhüllt?
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Ach! die holde Gestalt, womit du einst mich umfangen,
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Liegt zerfallen als Staub unter den Modernden schon;
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Blind wie lange das Aug', das mehr als Sterne des Himmels
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Blickt' Entzücken und Ruh' einst in das stürmische Herz!
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Und der Born des Gesangs, die Kehle, mit Erde gefüllet,
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Die Philomelen gleich Frühling und Liebe besang!
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Und die Lippen gebleicht wie lange, mit Küssen und Scherzen
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Von den Grazien früh schon in der Wiege getränkt!
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Ach! umsonst lauscht oft das Ohr, den Klang zu vernehmen;
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Auch das göttliche Herz mußt' in das Dunkel hinab.
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Komm' Erinnerung denn mit aller lieblichen Wehmut!
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Urne, reiner entblüht deinem Staube die Huld;
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Göttlich steiget das Bild hell leuchtend über den Lethe
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Auf, wenn den irdischen Staub führte die Welle hinweg.

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Aber meinen will ich in jedem blühenden Lenze:
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Als die Rose verdarb, starb mir das liebende Weib;
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Aber weinen will ich in jedem welkenden Herbste,
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Denn im Herbst erscheint, Tod, dein vielfaches Bild.
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Blumen will ich dir weihn, dir weihn die Gabe der Locken,
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Und wenn Tränen auch euch weiß die elysische Welt,
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Will ich das rieselnde Gras des stillen Hügels benetzen,
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Wann der einsame Mond sieht nur mich und das Grab.
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Ach! du warst so hold, hingst lieb und liebend am Leben,
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Doch der Lucina Pfeil traf dich mit bitterem Schmerz.

41
Daß die Knospe würd', erstarb die duftige Blume,
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Für das liebliche Weib ward mir ein liebliches Kind.
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Heil, ihr Toten, mit euch! ihr stillen, friedlichen Manen!
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Heil euch! liebend und süß lockt ihr das Leben zu euch.
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Wie die brünstige Brust der Rose schwillet zur Sonne,
46
Schwillt die sterbliche Brust, selige Liebe zu dir;
47
So umspinnt ihr stilles Geheimnis die Spindel der Parzen:
48
Wo das Leben beginnt, suche den liebenden Tod.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Moritz Arndt
(17691860)

* 26.01.1769 in Groß Schoritz, † 29.01.1860 in Bonn

männlich, geb. Arndt

deutscher Historiker, Publizist und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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