Weisst du auch, Gleim noch, wie, o undurstigster

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Weisst du auch, Gleim noch, wie, o undurstigster Titel entspricht 1. Vers(1796)

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Weisst du auch, Gleim noch, wie, o undurstigster
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Von allen Sängern, denen des Weines Lob
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Sein Geist, und ihrer eingab, wie wir,
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Ruhend auf Rosen, und Schmidt uns freuten?

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Im kleinen Garten blühten nur sie; und bald
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Stand auf dem Marmor blinkend der alte Rhein!
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Dem Wirth' ein Wink; und alle Büsche
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Wurden gepflückt, und der ganze Saal ward

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Zu Röthe, ward durchströmet von süssem Duft:
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Aus Rosen ragte halb nur die Flasch' hervor,
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Und kaum der Becher. Wag' es, Gleim, nicht
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Mir zu erzählen, wie froh wir sprachen!

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Wie hell das Lied scholl! Weste verwehn, und selbst
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Die Silberquell' ist eh wol versiegt. Was ging
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Uns dieses an? Wenn sie auch wollte,
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Konnte denn schweigen der Freuden frohste?

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Drey waren unser, und der kristallenen
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Gebäude zwey nur, eins nicht die Hälfte leer:
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Und dennoch wallten wir, da hoch schon
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Strahlte die Sonne, den späten Heimweg

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Mit jenem Sönnchen, welchem der Biene Kunst
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Den Docht beseelet, welches dem Büchersaal
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Sonst nur die Nacht entscheucht, wenn Grübler
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Endlich die durstige Feder tränken.

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Bekränzt das Haupt mir, Blüthen des Rebenhains:
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Ich trug die Kerze! Aber ach schnell erlosch
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Die kleine Sonne! Welk', o Reben
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Blüthe, nur weg; denn ich blies das Licht aus.

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Weisst du auch, Gleim, noch, wie in den Kühlungen
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Des hohen Ahorns, und in der Grotte Bach ...
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O glückte mir's, dass ich des Wassers
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Loh zu dem Lobe des Weines stimte.

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Am Bache sassen wir in den Frischungen
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Des Schattens. Wenig wurde der scheue Fuss
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Zuerst gesenkt, bald ganz vertiefet,
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Nun auch das Knie, und gewandert ward dann

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Selbst in des Felsen Wölbung! Gehöhlet war
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Die eingetauchte Hand, o wie schöpften wir!
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Aus unsrer tiefen, vollen Urne
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Rieselt' es nicht in des Freundes Locken.

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Des Dorfes Mädchen brachten den Ährenkranz,
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Durchschimmert von der Bläue der lieblichen
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Kornblume. »Gebet, gebt! doch schmucker
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Wäret ihr uns, wenn ihr Eimer brächtet!«

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Schnell standen vor uns nicht danaïdische,
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Geraume Eimer. Freude! die Wasserschlacht
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Begann! Geschehn sind Thaten, derer
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Jetzo noch Meldung des Pflügers Mund thut.

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Da galt es Stärke, Kunst: Wer am weitesten,
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Im höchsten Bogen träfe des Auges Stern!
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Fehlgüsse Jachten wir, der Hofhund
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Bellte sie, krähte der Henne Mann aus.

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Hoch auf dem Hügel stand bey der Kirche Thurm
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Der feiste Küster, äugelte keck nach uns
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Durch's lange Rohr. Mit vollen Eimern
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Schritten wir hin; doch er war entronnen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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