Tiegel des Dichtenden, oder hörst Rathgeberin lieber

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Tiegel des Dichtenden, oder hörst Rathgeberin lieber Titel entspricht 1. Vers(1795)

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Tiegel des Dichtenden, oder hörst Rathgeberin lieber
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Du dich nennen? doch welcher der Name sey, den du wühlest;
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Bist du ernster, bist tiefsinniger, als im Traumel
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Flug dich der Ungeweihte kent,

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Bist entscheidender! Wie verstumt' ich oft, und wie fühlt' ich
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Bleich mich werden, wenn empor ich sah zu der Höhe,
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Die mir zeigte dein goldener Stab! und mit welchem Hinschaun
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Mass ich den einsamen, steilen Pfad!

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Noch erheb' ich, denk' ich zurück an die Tiefen, in deren
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Nähe der schwindelnde Pfad sich erhob. Darstellung gelinget
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Droben allein, nur auf dem erstiegenen fernen Gipfel,
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Führt man in ihren Zauberkreis.

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Aber wer hat den Reiz, durch den die Führungen glücken,
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Immer erspähet? wer das Lebende niemals getödtet?
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O verzeihest du auch, Rathgeberin, dass dein Wink dann
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Nach der Höhe vergebens wies?

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Jünglinge, lasset euch Beyspiele warnen. Es sey euch
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Wacker das Auge, so bald an dem Zauberkreise sich Leben,
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Grosses, Leidenschaft zeigt. Darstellung gebietet festen,
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Hingehefteten Forscherblick.

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Nicht das Auge gabet ihr euch; allein wenn ihr oft blickt,
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Könnet, den Schlummer scheuchend, dass heller es sieht, ihr ihm geben.
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Leiterin ist sie euch nicht die Regel, (Verzeiht dem Greise,
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Dass er fortspricht,) wird euch nie

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Ihren goldenen Stab erheben: wenn euch nicht Geist ward,
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Dem die Empfindung heisser glüht, wie ihn Bilder entflammen,
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Und in dem, Beherscher der Flamm' und der Glut, das Urteil
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Unbezaubert den Ausspruch thut;

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Nie den goldenen Stab erheben, wenn ihr nicht alle
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Ihre Gebehrden kent, nicht ihre Winke, die Stirn nicht,
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Die nun faltig, nun sanft verbeut, nicht die helle Seele,
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Ganz nicht, die stolze Griechin kent.

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Weniges nur, allein Zielführendes grub sie in ihre
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Eherne Tafel. Einiges wird hier selten, dort öfter,
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Aber Anderes immer gethan. Wenn von dem ihr weichet;
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Habt ihr das erste nur halb gethan.

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Auf die schöne Natur, auf die nur weiset sie. Hübsch ist
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Diese nicht, ist nicht wild; hat auch furchtbare Grazie; kerkert
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Engumkreisend nicht ein: doch mit Feinheit begränzt die Messung,
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Ziehet nicht selten Apelless Strich.

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Wolt ihr der Griechin folgen; so kieset von dem, was sie lehret,
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Stimmendes zu des Gesangs Erfindung, legt's auf die Wagschal,
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Wägt es ihr zu. Was ihr nach falschem Gewicht verbildet,
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Schimmert vielleicht; wird untergehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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