Fröhlicher schwebten mir her Lebendigkeiten, Gevögel

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Fröhlicher schwebten mir her Lebendigkeiten, Gevögel Titel entspricht 1. Vers(1795)

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Fröhlicher schwebten mir her Lebendigkeiten, Gevögel,
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Oder Gewürm,
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Welche das Auge nicht sieht, so den hohen Sinus funkeln
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Sieht, und des Himmels weisslichen Pfad:
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Doch erspäht's durch der Kunst Kristalle diess den Atomen
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Nahverwandte Gewürm.
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Solche geheime Leben umwimmelten jetzt mich; es waren
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Unter dem lieblichen Heer
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Bienchen auch, und Täubchen, und Untrenbare, Johannes-
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Wurmchen, Schwänchen, ein Chor
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Philomelen. An einer sich höhlenden, sterbenden Ulme
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Sass ich, und am rieselnden Bach;
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Hörete horchend dem Bache, der Nachtigall horchender. Jetzo
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Schwebte näher die wimmelnde Schaar,
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Schwebte (das wusste sie nicht) zu dem Grabe! Die Schlünde des Baumes
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Dufteten Pest, der stürzende Bach
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Wagte Tod; und wie nah war ihnen der webende Heerzug,
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Welcher, immer gewendet, sich nun,
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Schnell wie der Wink, herwirbelte, dann sich fernte. Wie leicht ach
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Konten ihm Grab
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Werden des Baches, oder des Baums Abgründe! Mich hatten
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Träume der dunkeln Pforte geweckt;
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Doch ich vergass der guten. Die Nachtigall schmettert', als ob sie
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Warnte; allein ich verstand
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Auch den Liebling nicht. Verstand ich den singenden Seher;
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O so sprang ich auf, und entfloh.
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Ach jetzt wurde nicht Bach, nicht Baum; ich wurd' einathmend,
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Jener frohen Vögelchen Grab!
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Aber nun sang sie auch, wie sie nie gesungen, mein Liebling,
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Flötete Wehmuth, wie sie,
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Selber als Mutter, nie nicht geflötet, wenn noch die Feder
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Flog, und der Geyer vom Blute noch trof.
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Unglückseliger! zürnte sie mir, dir weint' an der Lippe
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Wehklag'; und du hörtest nicht hin!
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Weh dir! Sterbegesang der Philomelchen erscholl dir;
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Und du athmetest, athmetest fort!

(Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich von Editura GmbH & Co. KG (Digitale Bibliothek) digitalisiert, vom TextGrid-Verbund erworben und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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