Sey denn Krieg, weil Krieg seyn muss! doch er schütze nur, röthe

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Sey denn Krieg, weil Krieg seyn muss! doch er schütze nur, röthe Titel entspricht 1. Vers(1794)

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Sey denn Krieg, weil Krieg seyn muss! doch er schütze nur, röthe
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Nicht in des Franken Heimat das Schwert;
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Lehrerin ist der Sache Beschaffenheit Sehenden; Andern
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Ist es Erfahrung allein.
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Stürzen, über die Steine, und wieder stürzen, und wieder!
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Dieses lehrt die Anderen erst,
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Dass es da, wo umher sie wanderten, ebener Weg nicht,
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Dass es steinichter war.
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Weil sie denn also ganz noch erfahren nicht ist die Erfahrung,
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Ganz ihr bitterer Kelch
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Bis zu dem Hesen hinab noch nicht getrunken; so sollen
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Tausende noch
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Bluten? und weinen der Tausende mehr? Es sollen die Mütter
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Sich die Söhne zur Stütze, die Braut
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Ihren Gewählten umsonst herrufen vom schweigenden Schlachtfeld
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Zum hochzeitlichen Tanz?
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Lenken den Pflug der wankende Greis? Er sinkt, und die Gäule
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Weiden die Saaten ihm ab.
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Krieg denn, Krieg! doch gewarnt, wie er wurde, meid' er die Thäler
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Galliens, wolle zu Krönungen nicht,
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Nicht, zu entsagen dem, was dort Glückseligkeit scheinet,
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(ach einst war sie nicht Schein!)
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Zwingen ein Volk, das lange schon kalt bey der Sterbenden Anblick,
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Lang schon entglüht
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War zu der Rache: er sey des eigenen Heerdes Beschützer,
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Samle nicht welkende Lorber sich da,
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Neue! Alles ist jetzo neu! drum muss auch die Kriegskunst,
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Als Vertheidigerin,
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Neu seyn! War sie nicht stets Erfinderin? und wenn die Weisheit
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Sie auffordert, wär sie es nicht?
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Jetzo wär' ihr das Feuer des Adlerblickes erloschen?
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Schlief' ihr der sinnende Geist?
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O ihr gelingt's, sie erfindet, den menschenschonenden, kalten,
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Deutscheren Plan!
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Streiter! der erste Schritt, der über die Gränze den Feind führt;
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Fuhrt ihn in's Grab!
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Täuschet er, fliegt er mit Heerchen herüber, so steigt in dem Rücken,
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Auch nicht säumend, ein Wetter ihm auf.
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Gegen den Anflug ist, durch Pfahl und Graben, das Strohdach,
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Und die Bürgerhütte geschützt.
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Wag' er sich denn, und eil' herüber; das stürmende Wetter
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Stäubet ihn schnell vom Geschützten ins Feld,
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Und dann kehrt kein Bothe zurück! Doch ich schweige von dieser
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Tiefen Schande des Kampfs.
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Kriegen, und rasen ist Eins; und es glücken der heilenden Kriegskunst
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Nie der vernünftigen Stunden genug.
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Hermann hab' ich schweben gesehn; er lächelte, sagte:
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Sie erfinden den deutscheren Plan!
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Selten nicht will man den Knoten der Fehde zerhaun; und zerhaut nicht!
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Enkel! sicherer löset ihr auf.
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Enkel, Krieg! ich beschwör' euch bey Siegmars Schwert', und bey meinem,
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Aber cheruskischer Krieg!
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Dennoch ist Friede die schönste der Lösungen. Lasset von Hlyn euch
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Führen, von Freya zum Wagen im Hain!
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Nossa gürte sich, führe voran die blutigen Wodan,
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Thorr, und Tyr in den Hain!«
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Und der Jüngling verschwand; mich aber trübte von neuem
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Meine Schwermuth: Dass Krieg
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Seyn muss, ob ihm gleich, dem thierischen Scheusal, das ehmals
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Freye Frankreich Untergang schwur.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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