Neues gescheh nichts unter der Sonne? und die Verfolger

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Neues gescheh nichts unter der Sonne? und die Verfolger Titel entspricht 1. Vers(1793)

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Neues gescheh nichts unter der Sonne? und die Verfolger
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Jener Freyheit, wie sie noch die Geschichte nicht kent,
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Feyren gleichwohl ein Siegesfest, dass die himmelgeborne
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An der Kette, die sie sinnlos ihr ringten, verstumt,
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Singen, den Ton volksbühnisch, am Fest der Sanscülottiden,
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Hottentottade: »U – amp Marat, wir beten dich an,
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Der du in dir die Götter des siebenarmigen Stromes,
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Diese der lehrenden Welt unsrer gelehrigen zeigst,
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Dich, dem Mirabau sank, und der sie alle noch wegstrahlt
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Aus dem Tempel, Nu – ap Marat! Marat Hir – op!
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Pandämonion war der Tempel, eh, Marat, du einzogst;
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Aber du kamst! und er ward Pantheon, Marat Gha – ip!
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Lebe die Klubbergmunizipalgüllotinoligokra-
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Tierepublik! und Ghu – ip schütz uns vor Hunger und Pest.«
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Auch Verwünschungen sprechen sie aus; die Verwünschenden brüllen:
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La Fayette! und ihr, Roland! la Rochefoucauld!
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Bailly! du von Etampes! Gesegnet sey uns, o Jourdan!
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Sey dein Ronsin, und sey ... Aber mir sinket der Laut,
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Weigert sich fortzunennen. Wie viel, und welche Verbrechen
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Gräbt, für der Nachwelt Spruch, einst die Geschieht' in ihr Erzt!
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Doch die jetzige Welt ist Nachwelt, setzet sich, richtet
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Gleiches Gericht; wenn die That nakt vor das Auge sich stellt.
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Nakt steht: Herschende Buben sie brauchen, wer von der Herschsucht
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Glühet, wie sie: gebraucht, wandert er auf das Schasot.
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Jene kennen das Volk: Es will Despoten! und Schauspiel!
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Fliegt zu der Bühne, so bald einer den anderen würgt.
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Marat entrann dem Schafot; nun sollt' er, selbst nach dem Tode,
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Ihnen noch fröhnen: und so machten sie ihn zu 'nem Gott.
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Nakt steht da die Rache an Toulons Bürger. Dem Tode
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Schon zum Opfer gekränzt, duldet' er feindlichen Schutz.
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Bürgerpflicht war nicht, dass er schlachten sich liess', und erlaubt nicht
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Selbstmord: aber erlaubt Leben im rettenden Arm.
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Nakt steht da, was geschah: Als Stellvertreter zu Kerker
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Gehen sollten! Als roth strömte der Rhodan! Als sie,
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(scheusslich nakt steht dieses da, mit zischenden Schlangen-
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Haaren, blauem Gesicht, sengenden Augen) als sie,
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Welche Befreyung hiess, und Eroberung war, nach des schönsten
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Wortes Bruche, ihr Haupt, Allen Entsetzen! ihr Haupt
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Aus der Höll' erhub, und die Völker zwang, den geliebten
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Namen Freyheit, den auszusprechen mit Gram.
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Aber wer kann sie zählen die Thaten der ehernen Unscham?
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Und wer möcht es? Ihr seht lieber vom Schrecklichen weg.
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Einsame Bäume verbergen sie nicht die unendliche Waldung,
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Etliche gute das Heer schwarzer Handlungen nicht.
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Ganze lange Jahrhunderte sind vorübergegangen,
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Eh das gehende diess, ach diess Neue gebar;
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Eh, nach solcher Brüderlichkeit, so traulichen Festen,
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Wo die Freud' und der Tanz Mädchen und Liebender war,
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Sich herwälzete unter der Sonne die grässliche, blinde,
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Blutige Missgeburt, schaffend den Schauer zum Stein,
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Und den Stein zum Erbarmer! O weint nicht zu bittere Thränen;
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Denn die Freyheit trägt Ketten nur, ist nicht entflohn.
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Wisst ihr, auf welche Rettung sie wieder sinnet? und wisst ihr,
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Ob es mit dieser ihr nicht mehr wie der ersten gelingt?
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Ach, sie kennen mich nicht, so dachte sie; doch wie vermögen
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Ferne Menschen zu sehn, wer die Unsterblichen sind.
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Darum send' ich ihnen, statt meiner, dass sie mich kennen!
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Eine Sterbliche. »Geh, Arria Kordä!« Sie ging.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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