Gallia Sklavin; Gallia frey; sie erniedrigt zur Wilden

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Gallia Sklavin; Gallia frey; sie erniedrigt zur Wilden Titel entspricht 1. Vers(1793)

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Gallia Sklavin; Gallia frey; sie erniedrigt zur Wilden
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Dann sich, schaffend sogar Marat, den Scheusal zum Gott:
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Bleibt, bleibt Wilde! Denn dich, der Willkühr Hasserin, Freyheit,
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Dich, die Gesetzherschaft, kent die Unglückliche nur,
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Wenn sie redet: ihr liegt's, dass sie dem Gesetze gehorche,
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Über den Kreis hinaus dess, was zu thun sie vermag.
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Oder glichen vielleicht des Senats Beschlüsse der weissen
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Pforte Träumen nicht stets? wurden je sie vollführt?
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(ich verehre den Thäter! und gern Mitbürger des Guten,
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Der die Verehrung gebeut, halt' ich das schöne Gebot.)
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Dass Sie selbst hier der Täuschung erliegt, und geredt für gethan hält!
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Diess ist der bittere Quell, welchem ihr Elend entströmt.
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Ach und vielleicht ist er einer der unversiegenden Quellen,
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Ewigen, wie die Natur, tiefer grabend, sie schuf.
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Handlung, und Wort sind getrent, als trenten sie Berge; und die sind
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Dem unersteiglich, dess Geist reif bis zum Ernste nicht ist.
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Republikanerin wagt Sie zu seyn: und ohne Gehorsam
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Wagt sie es: waget zu seyn Künstlerin ohne Genie.
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Doch sie gehorcht ja! duldet es, wenn der Vertreter des Volkes,
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Weil er für frey sich hält, blutet! müsste nun auch
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Dulden des Wahlenden Mord, und dess, der den Wählenden auskohr.
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Aber zurück! denn hier wogt ein unendliches Meer;
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Und ach jede der Wogen rauscht Entsetzen, dem Schauer
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Stehet das Haar empor, bebet der Laut, und verstumt.
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Aber sein Geist ist noch tiefer verwundet, als es diess bange,
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Bleiche Schweigen des Grams auszudrücken vermag.
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Kennete Sie sich selbst, und des Lernens Weisheit: mit scharfem
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Hinblick schaute sie dann über das westliche Meer,
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Aber kent sie sich je? und stellt nicht umsonst die Geschichte,
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Wo sie am lautesten warnt, ihrer Betrachtung sich dar?
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Eher steigt der gelösete Fels empor zu dem Gipfel,
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Dem er entstürzte, ehe sie sich zum Gehorsam erbebt.
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Durch den Hunger, die Pest, die mehr begrabenden Kriege,
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Zwar erschüttert, allein heisserer Rache entflamt,
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Bleibet sie Wilde! komt noch, eh diess Jahrhundert ins Zeitmeer
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Untergeht, und verhült, traurend ein neues entsteigt
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Jenem Ozean, könnt mit Fahn' und mit Wimpel, zu Lande
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Schnelle Räuberin heut, schnellere morgen zur See.
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Leben dereinst auch Sterbliche, die sie vermögen, die Wilde
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Umzuschaffen? Von euch, die ihr sie jetzo beherscht,
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(nein, ihr herschet nicht, von der Heerde getriebene Hirten
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Seyd ihr, nichts mehr!) von euch hat es noch keiner gewolt.
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Woltet ihr herschen, zu wehren der allgemeinen Zerrüttung,
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Eurem Werke; wie schnell schlachtete dann euch das Schwert!
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Aber wenn selbst sich Weis' erhüben, und Edle, die's wagten
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Umzuschaffen; wie schnell sänken auch sie in ihr Blut!
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Eins nur ist mögliche Rettung: das Staatenbündnifs! doch ist auch,
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Wütet die Wildheit fort, möglich die einzige nicht.
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(bailly, diess Blatt der Sibille weht hin, wo du ruhest, und rauschet,
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Weint mit der Weide, die dort dir ein Entschlossener pflanzt.
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Ist sie des Blatts Weissag' Irrthum; so sende mir Ahndung,
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Lass den getäuschten Blick froheres Künftiges sehn.)
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Das ist also die Frucht des himmelsteigenden Baumes?
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Das der Schatten, in dem endlich der Wanderer ruht?
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Wenn ein Greis, der immer verzieh, für Andere roth wird;
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Werden diese dafür desto bleicher vor Schmach.
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Ha des Greuels! Harpyen gebar Anadyomene!
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Keine Pallas gehar, Furien Jupiters Haupt!
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Menschenfeind soll ich also im Blüthenhaare noch werden,
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Der hier stets obstand, siegend kämpfete? Nein!
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Menschenelend soll rnich zum Menschenfeinde nicht machen;
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Thränen im Blicke, nicht Zorn, scheid' ich. Brüder, von euch.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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