Gab die Erde sie? stieg von Orionen sie nieder?

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Gab die Erde sie? stieg von Orionen sie nieder? Titel entspricht 1. Vers(1793)

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Gab die Erde sie? stieg von Orionen sie nieder?
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Sie von der schönen Seele beseelt,
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Sie, des Gesetzes Mutter, das weiser ist, zu der Wohlfahrt
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Stimmender, menschlicher ist!
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Ungeweihte hören wich auch; drum sprech' ich der Göttin
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Namen nicht aus.
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Ungeweihter ist keiner, als wer von dem Morde den Wahn wähnt,
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Ihr zu opfern, zuck' er das Schwert.
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Opferer ist er am Fuss Tisiphona's; auf dieser Altare
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Raucht das vergossene Blut.
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Glücklich war, glückselig das Volk, von erhebender Freuden
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Neuem Gefühl
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Trunken, war benedeit, war selig, zu dem des Gesetzes
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Mutter von den Unsterblichen kam.
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Aber sie hatte ihn kaum geboren, selber gehuldigt
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Ihrem lieblichen, fröhlichen Sohn;
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Da entfloh die Wonne, versanken der Glücklichen Inseln
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In die Tiefe das Meers!
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Da entstand ... Gern nent' ichs (den Elendstiftern am liebsten!)
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Doch der Sprache fehlet das Wort
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Für dies Scheussliche. Ha! es beschloss zu verwandeln die Göttin:
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Und die Verwandlung gelang.
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Zwillingshöhlen dampfen auf einem Erobererschlachtfeld,
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Werden bewohnt,
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Die von der Raubsucht, die von der wilderen Wilden, der Herrschsucht.
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Dreymal heulten sie, sprengten sie Blut,
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Schlugen dreymal auf ein Hohngelach: und das Namen
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Lose war itzt von den Schwestern geweiht,
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Hatte Beschwörung gelernt; die schrien sonst Zaubergesänge,
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Schreyerin war die Beredtsemkeit jetzt;
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Und Es verwandelte: Tagscheu ward der leidenden Auge,
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Taub des Bürgers Worte das Ohr;
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Aber dem Luge nicht, dem hörte sie leise, vernahm ihn,
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Murmelt' er auch nur von fern.
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Dolche wurden (Gesang, der Wahrheit treu, du vergehst nicht,
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Klagst vor dem richtenden Enkel noch an!)
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Dolche wurden ihr die Rosenfinger, und nun auch
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Röther. Der Mund
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Konte nur Tod aussprechen. Die Haare wanden sich, zischten,
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Und zu Brande ward das Gehirn!
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Und ein schreckliches Lüsten durchbebt' ihr das Herz, zu ermorden
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Wie Medea, den Sohn!
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(barthelemi erhob das Haupt, und, ich neide die Wandlung!
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Rufte sie, aus der Vergangenheit Nacht.)
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Aber Eius misslang: Der Beschwornen wurden die Fülse
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Nicht zu Thou; und so sank sie nicht hin;
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Steht noch! Stürzte sie nieder; so war es geschehn, und vergebens
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Dürstete Wiederverwandlung der Wunsch,
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Wiederverwandlung in sie, die sie war vor der Sprengung des Blutes,
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Und der Lache des Hohns,
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Wonne! in sie, in die Mutter des tiefgedachten Gesetzes,
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Welches menschlicher ist.
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Komt, erquickt mich, ihr, die ihr Zukunft wisset, erquickt mich:
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Werd' ich sehn in der ersten Gestalt,
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Sehn, wie vom Himmel sie kam, des Gesetzes Mutter? das weiser
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Ist, wohlthätiger, menschlicher ist!
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Durch das endlich der Traum eintraf, der so lange geträumt ward
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Von der goldenen Zeit!
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Ach ihr verstumt mir! strebet umsonst, durch die Hülle der Wolken,
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Die stets nachtender wälzt der Orkan,
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Durch der gehobenen Ström Erguss, des höheren Weltmeers
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Wogenberge zu sehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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