Wunderbar war's, war neu, es geschah, was nie noch geschehn ist!

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Wunderbar war's, war neu, es geschah, was nie noch geschehn ist! Titel entspricht 1. Vers(1790)

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Wunderbar war's, war neu, es geschah, was nie noch geschehn ist!
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Ein Riese sank danieder, und starb;
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Aber er blieb nicht todt: denn es kam ein Geist, und belebte
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Den Todten wieder. Der richtet sich auf,
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Steht, und schauet umher mit Feuerblicken. Die Seele,
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Nun Schatten, umirret ihn, bebet vor ihm.
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Volk ist der Name des Riesen; des Schattens Namen ist König;
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Des Geistes Nazionalassamblec.
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Aber du bist ja so wild! so sprach der Geist zu dem Riesen,
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Dir siedet zu heiss in der Ader das Blut!
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Strömt die Galle zu loh! Du musst mir gehorchen. So will es
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Die Weisheit, welche nur glücklich uns macht;
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Will es die Harmonie, so zwischen dem Geist' und dem Leib' ist,
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Und ohne die du zum zweytenmal stirbst!
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Ach, und wer wird dann das zweytemal in das Leben
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Dich rufen? von neuem Retter dir seyn?
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»geist, gebeut! ich gehorche. Doch lass zuvor mich ein wenig
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Der Jugend mich freuen, die du mir gabst.
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Wankt' ich nicht siech umher? lag schmachtend und bleich auf dem Strohe,
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Und starb? Du hast den Jammer gesehn!
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Lass denn ein wenig mich taumeln beym Wollustmahle der Freyheit,
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Mich kränzen mein Haar, und schwören beym Schwert!
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Doch der verstummende Schatten, der einst mir Seele war, schwebet
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So traurig vor mir, und tröstet sich nicht!
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Ginge wohl lieber hinab zu Elysiens Schatten, und schöpfte
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Aus Lethe's Strome den labenden Trunk.
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Sage, was soll ich thun, dass ich des Wünschenden Kummer
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Besänftige? mindre des Zagenden Angst?«
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Schweben muss er vor dir! so wills die Klugheit. Auch hat er
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Noch sonst wo ein grosses, ernstes Geschäft:
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Wandelt um Mitternacht in der Könige Schlössern; dann wehklagt's,
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Als flösse die blutige Thräne des Volks!
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Klingt's mit der Krone, als fiele sie ab! mit dem Zepter, als bräch' er!
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(die horchenden, blassen Höflinge graut!)
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Komt stets näher! schliesst den grossen goldenen Saal auf,
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Und rüttelt am Thron', ein warnend Gespenst!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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